Was? Doping und andere Hilfsmittel für Ruderer Drucken
Geschrieben von: Jörg Haußer   
 

 

Wo Leistungssport ist, gibt es auch Doping. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts galt Weizenbier als das bewährte Hausmittel bei Ulmer Ruderern, das höchstens bei DRV-Trainern auf dem Index stand. Heute braucht jeder Starter bei einer DRV-Regatta nicht nur einen offiziellen Aktivenpass, sondern muss als Grundvoraussetzung die Anti-Doping-Bestimmungen des DRV anerkennen.

Jeder Rennruderer, egal welchen Alters, wünscht sich das Glücksgefühl eines Regattasieges. Damit das auch im fortgeschrittenen Alter noch halbwegs möglich wird, gibt es die Mastersklassen A ab 27, B ab 36 usw. Der Ulmer resolut-Achter zum Beispiel ging 2009 je nach Zusammensetzung mal in Klasse C ab 43, mal in Klasse D ab 50 an den Start. Um in eine günstigere, also ältere Klasse zu rutschen, gibt es das beliebte Hilfsmittel des Altmachers d.h. ein relativ junger AH-Achter rudert mit einem "Johannes Heesters" an Bord mit seinem Alter als einzigem Zugmittel.

 

 

 

 

Bei der Siegesfeier im November 2009 wurden die mittelalten Ruderer deshalb vorausschauend von ihrem Vorsitzendem mit diversen Hilfsmitteln versorgt, um die eine oder andere Altersschwäche ausbügeln zu können. Jeder bekam ein Mietfahrzeug für das Wochenende zur Verfügung gestellt, das ohne fossile Energie auskommt, einen Rollator und als neuen Ehrentitel "Die Rollatoren – die schnell auf dem Rollsitz rollen". Dazu kamen noch Stützstrümpfe, Tena for Men, Haftcreme, ein Kirschkernkissen, Wärmepflaster, Batterien für Hörgeräte, ein Mittel gegen Haarausfall, eine Urobox usw.

Als Nachschlagewerke kamen noch die Rentner-Bravo "Apothekenumschau" und "Seniorenratgeber" hinzu, die die Zielgruppe als gute Kunden umwerben.

Wer in einem Vierer ohne rudert, der "Midlife Crisis" heißt, weiß solche Angebote sicher zu schätzen.

Doch in Wirklichkeit ist die Geheimwaffe beim Kampf um das Glücksgefühl des Regattasieges längst gefunden. Das früher durch brachiales Zirkeltraining bekannte Hallentraining in der Schaffnerturnhalle ist noch intensiver geworden.

Musik deckt aber die Qualen der Ruderer mit einem Mantel der Leichtigkeit zu. Dazu das berüchtigte Folterinstrument "Weihnachtsgeschichte". Nur wer das am eigenen Körper gespürt hat, weiß, was er wirklich ausgehalten hat. Noch einmal zum Thema "Hörgerät ausgeschaltet": Wenn sie nichts hören, das Wort "Pause" überhört keiner.

Also, wie wär's mit einem Besuch beim Hallentraining und als Folge einem Glücksgefühl bei der nächsten Regatta?

Dass der Begriff "alt" relativ ist, zeigen im URCD unsere Alten um Bago Steinle, die diesen Ehrentitel schon seit über 30 Jahren innehaben. Der resolut-Achter als nachfolgende Ruderergeneration ist heute deutlich älter als die Alten zu Beginn ihrer Alterskarriere.

"Von nun an ging's bergab." Nur wenige fortgeschrittenen Alters erinnern sich noch an dieses Lied der gebürtigen Ulmerin Hildegard Knef, in dem die Geburt diesen Zeitpunkt für den Beginn des Niedergangs markiert. Was dort noch ein bisschen verfrüht erscheint, im Mastersbereich ist jedenfalls der körperliche Verfall das vorherrschende Thema. Eine einfache Diagnose: Wie lautet das meistgebrauchte Wort in einem Boot? Im AH-Bereich steht fast immer "Was?" an der Spitze der Hitliste. Kein Wunder, jeder hat sein Hörgerät ausgeschaltet.

Die verstärkten Trainingsaktivitäten des resolut-Achters in den Jahren 2008/2009 blieben selbst dem URCD-Vorsitzenden Andreas Huber nicht verborgen. Anfangs vielleicht noch belächelt, markierte der Gewinn des Alpenachterpokals 2009 für den schnellsten Achter – egal in welcher Altersklasse - in der Gesamtwertung der Langstreckenregatten in Passau, am Wörthersee und am Starnberger See einen schönen Achtungserfolg.

 
 

Mehr als erwachsene Frauen und Männer weinen zu sehen, das gibt's beim Hallentraining für den Breitensport jeden Donnerstag ab 18:30 Uhr in der Schaffnerturnhalle in der Ulmer Frauenstraße, gegenüber der Pauluskirche, neben dem Café 113. Zu sehen wieder vom 11.11.2010 bis zum 24. März 2011. Ist es zu stark, bist du zu schwach. Aber, wenn's die in der "Krise" aushalten . . . .

 

                 
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Oktober 2010 um 16:36 Uhr