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| Wind oder kein Wind - Roseninsel-Achter 2011 |
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| Geschrieben von: Jörg Haußer |
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Wind oder kein Wind, das ist immer die Frage, wenn man zum Roseninsel-Achter fährt, der 12-km-Regatta auf dem Starnberger See am Italiener-Wochenende des Oktoberfestes in München, 2011 am 24. September. Was zunächst aussieht wie die Mühe des frühen Aufstehens, erweist sich als Vorteil des frühen Starts um 10:45 Uhr: Viel Platz auf dem Bootsplatz und vor allem kein Wind und damit auch fast keine Wellen, nur die, die die Motorboote der Startankündiger machen. In Starnberg teilen sich Segler und Ruderer einen Club, die einen wollen den Wind, die anderen wollen ihn möglichst nicht. 15 Achter liegen in der ersten Startabteilung in unterschiedlichen Abständen vor der Startlinie zum Massenstart in Starnberg. Countdown der Startankündiger: Noch zwei Minuten. Alle Achter versuchen, der Startlinie einigermaßen nahe zu kommen, sie aber nicht zu überfahren, denn dann winkt ein "Bonus" von einer Minute zusätzlich. Dann das Trötensignal – die letzte Minute mit angespannter Ruhe vor dem Start hat begonnen. Dann der Kanonenschlag und mit dem Start versucht man schnell, sich vom Pulk zu lösen. Obwohl die Regattastrecke sehr großzügig dimensioniert ist, kommen manche Achter immer näher. "Abstand" rufen sich die Steuerleute gegenseitig zu. Schnell bildet sich eine Spitzengruppe heraus mit dem resolut2-Achter an fünfter Stelle. Die Mannschaft startet als einzige im Rennen Masters Männer D mit Mindestdurchschnittsalter 50 Jahre d.h. es wird ein Rennen gegen eine bestimmte Zeitvorgabe. Das Rennen verläuft einigermaßen parallel zum Starnberger Ufer genau auf die Roseninsel zu, vor der zwei große Bojen nach 6 Kilometern die Wendelinie markieren. Roseninsel und Wendebojen sieht nur Steuerfrau Sophie Steinle. Sie bringt den Ulmer Achter zwischen die erste Wendeboje und zwei leicht davor fahrende Achter, die dann sozusagen auf der Außenkurve wenden müssen. Mit dem äußerst effektiven Steuer am Anschlag und dem Kommando "Steuerbord über" wendet der resolut2-Achter auf der Innenkurve zur zweiten Wendeboje hin, ab der die Rückfahrt beginnt, und schiebt sich dadurch auf Platz drei vor. Jetzt liegen die Ulmer ein paar Längen vor den zwei Achtern von der Außenkurve, von denen einer plötzlich versucht, die Bahn hinter dem anderen zu kreuzen und dann weg zu spurten, doch dabei kommen sie sich so nahe, dass sich die Riemen wie ein Reißverschluss verhaken und erst entwirrt werden müssen, so dass die Ulmer Masters-D-Ruderer noch deutlicher wegfahren können. Hinterher stellt sich heraus, dass dabei einer der Achter ein Loch bekommen hat. Später an Land werden wir gefragt, ob wir auch beteiligt gewesen wären, doch durch die Wende auf der Innenkurve waren wir schon deutlich weg. In Starnberg ist es schon manchmal ein bisschen wie Boxauto fahren. Vor zwei Jahren ereilte den ersten resolut-Achter ebenfalls dort das gleiche Schicksal - das Loch lag damals über der Wasserlinie, das Rennen konnte ordentlich beendet werden. Etwas später wird dieser Schaden jedoch von einem anderen in den Hintergrund gedrängt. Zurück zum Rennen: Es sind jetzt 30 Minuten mit Schlagzahl 30 gerudert, einer der Boxauto-Achter kommt wieder näher heran. Steuerfrau Sophie schwört ihre Mannschaft jedoch ein auf den davor rudernden Junior-A-Achter aus Schleswig-Holstein, in dem auch zwei Juniorinnen rudern, obwohl es kein Mixed-Boot ist. Im Augenwinkel ist der Achter aus dem Norden immer mal wieder zu sehen, aber er behält seinen Vorsprung von 7 Sekunden vor dem resolut2-Achter. Deutlich schneller in der ersten Abteilung war nur der grüne Sprite-Doppelachter mit 0:42:36.70 Minuten, der als Demonstrationsrennen außerhalb der Wertung gestartet war. Für die Ulmer Masters-D-Ruderer bedeutet eine Zeit von 0:44:31.20 Minuten Platz drei in der ersten Abteilung und Platz 6 in der Gesamtwertung aller 57 Achter (inklusive Doppelachter).
Das Wetter ist immer noch traumhaft, etwas Wind ist jetzt aufgekommen und kräuselt die Seeoberfläche. Nachdem der resolut2-Achter aufgeladen ist, ist es auch schon Zeit für die Siegerehrung der ersten Abteilung. Obwohl wir das einzige Boot waren in unserem Rennen, werden wir als Sieger aufgerufen, weil das System der Zeitvorgabe greift d.h. wir waren schneller als die vorgegebene Höchstzeit für dieses Rennen. Die URCD-Mannschaft wird auf die Bühne am Seeufer gerufen, junge Frauen in Dirndln walten ihres Amtes, das bei der Ulmer Regatta "Küsser" heißt, doch sie sind sehr zurückhaltend. Vielleicht liegt das am Alter der Ruderer. Außer dem blauen Blechle mit dem Logo des Roseninsel-Achters darauf bekommt jeder Sieger den Zehnerschlüssel am Bande umgehängt, ein äußerst praktischer Siegerpreis. Wenn der Start früh ist, ist alles andere das auch: Aufladen, Siegerehrung, Duschen, Mittagessen auf dem zu einem großen Biergarten umfunktionierten Clubgelände ums Bootshaus mit "Gratfleisch" (Steak) oder einer Roten im Semmel, die eher orange aussieht und überhaupt nicht geraucht ist. Auch in Starnberg ist ein bisschen Wiesn: Ulmer trinken Augustiner Wiesn Bier mit 6,2% Alkohol, das noch weniger herb ist als das so sonst ausgelobte Ulmer Bier. Noch ein Wort zu den Duschen: die Münchner haben wohl nicht großgewachsene Schwaben mit einkalkuliert. In dem vergleichsweise niedrigen Duschraum kann diese Spezies die an der Decke angebrachten Duschköpfe ohne große Schwierigkeit als Munddusche verwenden. Um halb fünf ist der Bootstransport schon wieder im Club – so früh wie noch nie. Nachdem abgeladen ist, lässt man auf der Terrasse im Club den Tag Revue passieren, anwesende Clubmitglieder lauschen. Eine kleine Überraschung bringt ein Blick ins Internet zuhause. Der Ulmer Masters-D-Achter war außerdem das schnellste Vereinsboot. In diesem Vereinsboot saßen vor Steuerfrau Sophie Steinle Neu-Schlagmann Michael Leibinger, Uli Steinacker, Markus Hauf, Mike Dauser, Torsten Aurich, Jörg Haußer, Martin Grimmeiß und Olaf Behrend. Da kann man nicht meckern oder nörgeln.
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 25. September 2011 um 21:47 Uhr |




