1954 - Bootshänger auf Abwegen Drucken
Geschrieben von: Ulmer Ruderclub Donau e.V.   

125 Jahre Ulmer Ruderclub Donau am 2. Januar 2012 - Geschichten aus dem Leben


URCD-Bootstransport auf der leeren A8 bei der Ausfahrt Ulm-West

1954 war der URCD-Jugendachter in Mannheim gemeldet zur Qualifikation für die Jugendmeisterschaften. Bago Steinle als Steuermann durfte im Zugfahrzeug mitfahren, außerdem Fridolin Bock. Chauffeur war der Fahrer aus der Firma von Dr. Steinle, Herr Wagner. Der Firmenlastwagen gab nicht mehr als 80 km/h her. Auf der damals deutlich weniger befahrenen Autobahn Richtung Stuttgart nach dem Aichelberg schon in der Nähe von Kirchheim/Teck zog der Lastwagen plötzlich deutlich besser. Fridolin Bock schaut nach hinten durch das kleine Rückfenster und schreit "Wo sind die Boote?" Der Hänger war ganz einfach weg.

Herr Wagner, ganz Profi, schaut kurz nach links, reißt das Steuer herum und fährt über den damals noch nicht abgetrennten Mittelstreifen auf die Gegenfahrbahn der Autobahn und damit wieder Richtung Ulm. Die Autobahn steigt schon wieder leicht an Richtung Aichelberg und dort sehen die drei den Hänger in einem Kornfeld stehen, nur leicht geneigt. Eine Autofahrerin hatte ebenfalls angehalten und gesagt, dass es ganz schön knapp gewesen wäre, als der Hänger gerade alleine vor ihr über ihre Fahrbahn gefahren wäre. Zu dritt wurde der Hänger abgeladen, auch der Achter kam runter, weil die Bootslager etwas verbogen waren.


A8 Stuttgart Richtung Ulm zwischen Kirchheim/Teck und Aichelberg: der Bootshänger hat die Autobahn überquert

Mit dem Lastwagen ging's zur Straßenmeisterei in Kirchheim, ein Meister von dort fuhr mit zum Hänger, der irgendwie nach Kirchheim geschafft werden konnte – wie, ist bereits aus dem Erinnerungsschatz verloren gegangen. Jedenfalls haben die Kirchheimer Straßenmeister den Hänger repariert, die Boote wurden wieder aufgeladen und nach Mannheim gebracht. Es bestand nur die Frage, ob der etwas beschädigte Achter noch renntauglich wäre. Ein Mitarbeiter der Firma Empacher hängte sich im Bugbereich an den Achter, der immer noch auf dem Hänger lag, schaukelte herum und sagte: "Der hält." Der Achter wurde heruntergeholt, angeschraubt, das Rennen gefahren und gewonnen – Wahnsinn!

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 26. November 2011 um 17:01 Uhr