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Artikel über den Ulmer Ruderclub und die Ulmer Regatta (Donau-Cup Ulm) in der Presse bzw. im Internet im Jahr 2008


Südwest Presse Ulm vom 2.12.2008:

Hoffnungsvoll in den Winter

Rudern: Käufer im Soll - Achtungserfolge für Reinelt und Kerstin Hartmann

Bei winterlichem Ekel-Wetter haben die Ruderer ihre erste Standortbestimmung für die neue Saison in Dortmund hinter sich gebracht. Die Athleten vom Ulmer Ruder-Club Donau zeigten sich gut vorbereitet.

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Ungewohntes Terrain für Max Reinelt: Im Einer setzte er sich gut in Szene. Foto: Hansjörg Käufer

Sechs Kilometer auf dem Dortmund-Ems-Kanal im Kampf gegen die Uhr und den inneren Schweinehund. Das ist alljährlich im Spät-Herbst die Aufgabe für die ambitioniertesten deutschen Ruderer. In diesem Jahr waren die Bedingungen besonders widrig: Bei Schneeregen mussten sie sich unter den Augen des neuen Cheftrainers Hartmut Buschbacher beweisen.

Die Athleten des Ulmer Ruder-Clubs Donau (URCD) fuhren dabei akzeptable Ergebnisse ein. Zwar konnte sich kein Boot ganz vorne platzieren, dennoch befindet man sich auf Tuchfühlung zu den Schnellsten. Die Ulmer können nun gut motiviert ins Wintertraining gehen, um beim nächsten Aufeinandertreffen im April in Leipzig noch besser dazustehen. Da in Dortmund den ganzen Tag über Windstille herrschte, waren die gemessenen Zeiten diesmal alle aussagekräftig und untereinander vergleichbar.

Urs Käufer belegte mit Filip Adamski (Mannheim) im Zweier in 22:07 den vierten Platz. Auf die Sieger Christoph Wilke und Richard Schmidt (Radolfzell/Trier) fehlten den beiden 21 Sekunden. Platz zwei belegten in 21:52 Florian Eichner/Philip Naruhn aus Halle vor dem olympischen Überraschungsduo Tom Lehmann und Felix Drahotta (Rostock/22:02). Der angekündigte Angriff einiger Nachwuchsboote blieb in Dortmund aus.

"Dafür, dass Filip und ich erst vor vier Wochen die Schlagplätze getauscht haben, können wir zufrieden sein", sagte Käufer. Dieser Sichtweise schloss sich Bundestrainer Christian Viedt an: "Wir stehen nach einer langen Trainingspause am Anfang eines neuen Zyklus. Von daher passt der Einstand."

Max Reinelt musste mangels Partner in den Einer steigen, für einen Riemen-Ruderer eine undankbare Aufgabe. Er erledigte sie besser als erwartet. Zwar hört sich der 20. Rang nicht berauschend an, in 24:11 Minuten lag er aber in der Nähe einiger Skull-Spezialisten. "Sechs Kilometer im Einer sind brutal anstrengend", so sein Fazit - gekämpft hat er bis zum Schluss.

Nächste Woche zieht Reinelt an den Dortmunder Olympiastützpunkt und widmet sich wieder ganz dem Riemenrudern. U-23-Bundestrainer Thomas Affeldt rechnet fest mit dem 20-Jährigen.

Ähnlich ist die Leistung von Kerstin Hartmann zu werten. Sie belegte in 26:57 Minuten den 22. Platz und bewegte sich im Mittelfeld der Skullerinnen. Auftrieb dürfte ihr auch die Tatsache geben, dass sie in der Nähe einiger Achter-Frauen ankam, die ebenfalls im Einer ran mussten. So war ihre frühere Partnerin Katrin Reinert (Heilbronn) nur sechs Sekunden schneller.

Der Sprung ins U-23-Nationalteam ist für die Studentin zu schaffen. Gelingt ihr eine weitere Steigerung rückt sogar das A-Team in greifbare Nähe. 

Claudia Reinelt belegte bei ihrem ersten Auftritt bei den leichtgewichtigen Frauen den 19. Platz, und reiht sich im U-23-Ranking im Mittelfeld ein. Angesichts ihrer 18 Jahre hat die junge Ulmerin durchaus das Potenzial sich bis im Frühjahr weiter zu steigern. Dem gleichaltrigen Carsten Lormes (35.) bleibt nach seiner Premiere die Erkenntnis, dass über den Winter noch viel Arbeit wartet, um sich im Frühjahr weiter vorne platzieren zu können.


Südwest Presse Ulm vom 27.11.2008:

Olympiade beginnt auf dem grauen Kanal

Rudern: Fünf Ulmer bei der Langstrecke

Nicht nur für Skifahrer beginnt die Saison, sondern auch für die Ruderer. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal steht der Langstreckentest an. Der wichtigste Leistungsnachweis vor dem Winter.

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Premiere in Dortmund: Die Ulmerin Claudia Reinelt (rechts). Archivfoto

Die Wollmützen auf, eine Lage mehr anlegen und Zähne zusammenbeißen. Auf dem Dortmund-Ems-Kanal steht der Langstreckentest an, an dem alle Bundeskader-Ruderer teilnehmen müssen. Entsprechend groß ist das Feld: 388 Sportler in knapp 300 Booten machen sich auf die sechs Kilometer lange Strecke.

Am Rande des Kanals wird Hartmut Buschbacher stehen, der Mann, der als Cheftrainer den Deutschen Ruderverband auf die Olympischen Spiele 2012 in London vorbereiten soll. Die Stelle ist neu, bisher kochten Riemen- und Skull-Bereiche ihre getrennten Süppchen.

Auch für die Athleten des Ulmer Ruderclubs Donau (URCD) beginnt an diesem unwirtlichen Wochenende die nächste Olympiade. Nach den reichlich kuriosen Regatten in Peking haben sich Urs Käufer und seine Vierer-Mitstreiter Filip Adamski, Gregor Hauffe und Toni Seifert entschieden, das Abenteuer nochmals in Angriff zu nehmen. Über die Weltmeisterschaften in Polen, Neuseeland und Slowenien soll es in die britische Hauptstadt gehen. In welchem Boot - das wird sich zeigen.

Im Abstand von je einer Minute werden die Boote am Wochenende auf die Strecke geschickt. Es folgen sechs Kilometer allein mit dem Wind, den Wellen und der Uhr im Kopf, die unweigerlich tickt. In etwa 21 Minuten sollten die sechs Kilometer dann vorbei sein. Denn ohne eine vordere Platzierung in Dortmund, wird es schwer, die hohen Ziele zu erreichen.

"Seit Oktober trainieren wir wieder zusammen", erzählt Käufer über sich und seinen langjährigen Partner Filip Adamski. Mit Trainer Christian Viedt haben die beiden intensiv an der Technik gefeilt. "Das hat uns einen Schritt nach vorne gebracht", glaubt Käufer, der nach seiner vierjährigen Bundeswehrzeit mit dem Studium begonnen hat.

Erfolge vergangener Tage zählen nichts mehr, das wissen die beiden nur allzu gut. Der Nachwuchs wird die Etablierten am Dortmunder Leistungszentrum fordern - und dazu zählt Käufer mit seinen 24 Jahren inzwischen. Zu den jungen Hungrigen gehört auch ein anderer Ulmer: Für Max Reinelt könnten die Spiele 2012 durchaus ein Thema sein, sofern er sich so weiter entwickelt wie bisher.

Der 21-Jährige kämpft noch in der U-23-Klasse. Da er seinen Grundwehrdienst im niedersächsischen Nienburg ableistet, blieb in den vergangenen Wochen wenig Zeit fürs Rudern. An eine Abstimmung mit einem Partner war schon gar nicht zu denken, deshalb startet Reinelt am Sonntag im Einer. Seine Gegner: 49 Skuller - da wird es für den eingefleischten Riemenruderer schwer sich zu behaupten. Im Dezember zieht Reinelt dann nach Dortmund an den Stützpunkt. Zumindest während seiner Dienstzeit will er sich ausschließlich aufs Rudern konzentrieren.

Kerstin Hartmann will ebenfalls wieder angreifen, nachdem sie ihr Abitur in der Tasche und die unglücklich verlaufene Saison abgehakt hat. Jetzt soll die 20-Jährige ihr Können zunächst im Einer zeigen - die Partnerwahl wird erst im neuen Jahr fallen. Unter ihren Gegnerinnen sind vier Medaillen-Gewinnerinnen von Peking.

Die Ulmer Reisegruppe voll machen Carsten Lormes und Claudia Reinelt. Beide geben ihr Debüt im Leichtgewichts-Einer der U 23. Maß der Dinge sind die Marie Luise Dräger (Rostock) und Jonathan Koch (Gießen).


Südwest Presse Ulm vom 22.9.2008:

Vom Winde verweht

Maximilian Reinelt im Zweier auf EM-Platz zwölf

Maximilian Reinelt hat bei der Europameisterschaft der Ruderer zum Abschluss der Saison Erfahrung gesammelt. Am Ende wurde er Zwölfter.

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Maximilian Reinelt war mit dem Athen-Auftritt nicht zufrieden. Archivfoto

So richtig glücklich schaute Maximilian Reinelt vom Ulmer Ruderclub Donau (URCD) nicht drein, nachdem er gemeinsam mit seinem neuen Partner Christoph Zimmermann über den zwölften Rang bei der Europameisterschaft nicht hinaus gekommen war.

Stürmische Bedingungen herrschten auf den olympischen Regattastrecken von 2004 in Schinias vor. Damit kamen Reinelt/Zimmermann nicht zurecht. Im Halbfinale am Freitag, als es noch etwas ruhiger war, fuhren sich die beiden Nachwuchs-Ruderer direkt als Dritte ihres Vorlaufs ins Halbfinale.Doch am Samstag lief es dann nicht mehr rund. Alle Finalläufe wurden aufgrund der schlechten Wetterprognosen vom Sonntag auf diesen Tag gelegt. Für den Zweier ohne Steuermann hieß das: Morgens zum Semifinale antreten.

Als fünftes Boot kamen die beiden ins Ziel und waren damit nicht zufrieden. Denn dieser Rang bedeutete lediglich die Qualifikation fürs B-Finale - und dort lief es nur zwei Stunden später überhaupt nicht mehr. Schon vom Start weg waren Reinelt/Zimmermann im Hintertreffen, kurzzeitig sah es so aus, als sollten sie noch einmal aufholen können, aber am Ende blieb der letzte und damit zwölfte Platz. Abhaken und Luft holen für die neue Saison heißt es nun für Maximilian Reinelt.


Südwest Presse Ulm vom 6.9.2008:

Dabei sein ist schließlich alles

Mit Scherz und Verständnis hat OB Ivo Gönner die zwei Ulmer Olympiateilnehmer begrüßt, die in Peking mehr Pech als Erfolg hatten.

STEFANIE STARKE

Oberbürgermeister Ivo Gönner nahm die ausbleibenden Erfolge der Ulmer Sportler Urs Käufer (Mitte) und Arthur Abele gelassen. Foto: Oliver Schulz

Nicht wie gewohnt im Sportdress, sondern ganz formell in Hemd und Jackett sind der Zehnkämpfer Arthur Abele (22) und der Ruderer Urs Käufer (23) von Oberbürgermeister Ivo Gönner im Foyer des Ulmer Rathauses empfangen worden.

Zu großen Erfolgen oder gar Medaillengewinnen konnte er ihnen nicht gratulieren. Beide wurden in Peking vom Pech verfolgt: Arthur Abele musste wegen eines Muskelfaserrisses den Zehnkampf nach vier Disziplinen abbrechen, und zwei der vier Ruderer in Urs Käufers Boot wurden im Vorfeld krank. Später auch noch einer der zwei Reserveruderer. "Wenn von vier am Ende eigentlich nur noch ein Ruderer übrig ist, ist das schon ein bisschen blöd", scherzte der Oberbürgermeister, der die Olympischen Spiele mit großem Interesse verfolgt hat. "Und ein Muskelfaserriss - das klingt ja schon so schlimm", fügte Gönner verständnisvoll hinzu. Dennoch bedankte er sich "ganz herzlich" nicht nur bei den Sportlern, sondern auch bei den Begleitern und Trainern der beiden Ulmer, die sie mitgefördert und während der Spiele vor allem mit ihnen mitgelitten haben. "Ich sage das mit einem nicht zu übertriebenen, aber berechtigten Stolz."

Da sich in Peking bei den Ulmer Sportlern die erhofften Erfolge dieses Jahr nicht eingestellt haben, blickt der Oberbürgermeister nun schon auf die Olympischen Spiele 2012 in London. "Beide sind noch gut in Saft", stellte er fest, und vielleicht haben die Ulmer beim nächsten Mal etwas mehr Glück.

Während der Olympischen Spiele haben die jungen Sportler trotz der Rückschläge besonders die vielen Eindrücke und die einzigartige Atmosphäre im Olympischen Dorf genossen. "Das muss ein Sportler einfach einmal erlebt haben", sind sich die beiden einig. Dabei sein ist bei den Olympischen Spielen eben doch alles.


Südwest Presse Ulm vom 18.8.2008:

Gefühls-Chaos am Bootssteg

Mit der dritten Besetzung landet der Käufer-Vierer auf Rang sechs

Urs Käufer kehrt als OIympia-Sechster aus Peking zurück. Im Finale konnte der gebeutelte Vierer ohne Steuermann nicht mehr mithalten und ruderte hinterher. Die Briten siegten verdient vor Australien.

UTE GALLBRONNER

Ersatzgeschwächt auf Rang sechs gerudert: Der deutsche Vierer mit Urs Käufer (zweiter von links). Foto: Getty

"Alle sagen uns, dass wir in Originalbesetzung um eine Medaille gefahren wären, aber das ist jetzt auch kein Trost", sagte der Ulmer Ruderer Urs Käufer, als er nach mehr als einer Stunde vom Bootshaus in die so genannte "Kiss and Cry Area" am Shunyi-Ruderpark kam. Platz sechs bei den Olympischen Spielen, irgendwann werden sie mal stolz drauf sein. Aber Platz sechs ist eben auch der letzte Rang im Finale, und das nagt an den Nerven.

Ohnehin ging es für das Heer der deutschen Riemen-Recken mehr ums Weinen, und nur ein bisschen ums Küssen. Auf den frischgebackenen Vierer-Schlagmann Gregor Hauffe wartete wenigstens seine Freundin, die ihn tröstend in die Arme schloss. Die verwischte Deutschland-Fahne auf der Backe zuckte er mit den Schultern, rang sich ein Lächeln ab. Mehr war nicht drin gewesen, an diesem Tag, unter diesen Umständen.

Die Umstände haben Käufer und seinen Team-Kollegen das verwehrt, von dem sie geträumt hatten, seit sie vor mehr als zwei Jahren zum ersten Mal gemeinsam in ein Boot gesetzt worden waren. Sie waren Vize-Weltmeister 2006, hatten krankheitsbedingt eine völlig verkorkste Saison 2007 und sich in diesem, dem olympischen Jahr zurückgemeldet. Nicht zuletzt mit einem starken Auftritt im Vorlauf von Peking. Es wurde über Medaillen nachgedacht und das völlig zurecht.

Aber dann zerstörte ein schwerer bakterieller Infekt der Nebenhöhlen alle Träume. Toni Seifert und Filip Adamski erwischte es zuerst, sie saßen auf der Quarantäne-Station des Olympischen Dorfes, statt im Boot. Ein Einsatz wäre zu gefährlich gewesen und hätte angesichts des Substanzverlustes auch nichts gebracht. Kurz vor dem Finale begann dann auch noch Ersatzmann Marco Neumann zu fiebern.

"Die Franzosen hatten wir im Vorlauf klar im Griff, und an den Australiern waren wir dran", sagt Käufer, schüttelt dann den Kopf, wie um den Gedanken los zu werden. Er nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche, um das Gefühlschaos runter zu spülen. "Hätte, wenn und aber gilt nun mal nichts im Sport."

Die nüchterne Meldung der Nachrichtenagentur lautet: "Der deutsche Vierer ohne Steuermann hat im Finale den sechsten und damit letzten Platz belegt." Dass das Boot in seinem dritten Rennen in der dritten Besetzung fuhr, wurde nicht erwähnt, wenngleich die Verwirrung dazu führte, dass plötzlich ein Jochen Urnan im Boot saß, den es nachweislich nicht gibt. Urban heißt der junge Mann, und er gehört eigentlich in den Achter. Am Samstag spielte er den Ersatzmann des Ersatzmanns. 

"Nach dem ersten Rennen waren wir super drauf, am Mittwoch Morgen am Boden zerstört, nach dem Halbfinale einfach nur glücklich, und jetzt sind wir wieder ganz unten", schildert Käufer die Achterbahn der Gefühle, die es in den vergangenen acht Tagen zu bewältigen galt. "Ich persönlich finde, dass es ein großer Erfolg war. Respekt, was sie aus dieser Situation gemacht haben", meinte Trainer Ralf Müller: "Die Jungs müssen sich jetzt am Halbfinale hochziehen."

Adamski und Seifert hatten das letzte Rennen an der Strecke verfolgt. Mehr als anfeuern konnten sie nicht, und sogar das fiel ihnen schwer. "Wir werden versuchen ein paar Wettkämpfe anzuschauen. Auf jeden Fall bleiben wir bis zum Schluss", sagt Urs Käufer. Danach geht es dann heim - und zwar nach Ulm: "Das ist Urlaub." Ans Rudern wird erst später wieder gedacht. Schließlich gilt es auch das restliche Leben zu ordnen: Nach seiner Zeit als Sportsoldat beginnt er das Studium der Wirtschaftspsychologie. Vom Rudern kann man schließlich nicht leben.


www.deutschlandachter.de vom 15.8.2008:

Vierter. Sechster. Achter

Bei der olympischen Regatta blieben die Dortmunder Boote ohne Medaille

CARSTEN OBERHAGEMANN

Erschöpft und enttäuscht: Der erneut umformierte Vierer mit Gregor Hauffe (von links), Urs Käufer, Richard Schmidt und Jochen Urban.

Felix Drahotta und Tom Lehmann sorgten mit dem vierten Platz im Zweier ohne Steuermann – neben der Silbermedaille für Christiane Huth/Annekatrin Thiele im Frauen-Doppelzweier - für die freudige Überraschung des Tages. Der Vierer ohne Steuermann kam nach einem weiteren Krankheitsfall nicht über Rang sechs im Finalrennen hinaus. Der Achter beendete die Regatta als Achter.

Sie jubelten lauter als mancher Medaillengewinner – und das zu Recht: Die Youngster im deutschen Team, Felix Drahotta (19) und Tom Lehmann (20) behaupteten sich in diesem klasse Zweier-ohne-Feld. Schon das Erreichen des Finals war ein großer Erfolg, mit dem famosen Finale legten sie nach eins drauf. Mit den Australiern Ginn/Free, die schon in den beiden Jahren zuvor Weltmeister wurden, den Luzern-Siegern aus Kanada (Calder/Frandsen) und den Weltmeistern von 2005 aus Neuseeland (Twaddle/Bridgewater) waren die Medaillen schon vergeben. Drew Ginn feierte nach 1996 (im Vierer) und 2004 (im Zweier) seinen dritten Olympiasieg. Die US-Amerikaner Winklefoss/Winklefoss spielten als Sechster keine Rolle.

„Bloß nicht Letzter werden – das hat geklappt, sogar deutlich“

Aber im Duell um Platz vier setzten sich die beiden Rostocker gegen die Südafrikaner Keeling/di Clemente durch: Im Endspurt schubsten sie die beiden noch vom vierten Rang und waren überglücklich: „Wir wollten uns nicht abservieren lassen und bloß nicht Letzter werden. Das geklappt, sogar deutlich geklappt“, sagte Lehmann. Und Drahotta fügte hinzu: „Als wir in Peking ankamen, hatten wir eine gute Olympiastimmung, dann kam die gedrückte Stimmung im Achter und jetzt kommt die Olympiastimmung zurück.“ Diese können sie jetzt nach dem Klasse-Ergebnis auch noch eine Woche in Peking genießen…

Vierer vom Pech verfolgt: Erkrankten Neumann vertrat Urban

Der nächste Ausfall sollte diesmal kein gutes Ende für den Vierer ohne Steuermann haben. Mit Marco Neumann erwischte der im deutschen Ruderteam grassierende bakterielle Infekt den dritten Ruderer aus dem Vierer. Da sich auch Filip Adamski und Toni Seifert noch nicht wieder gesund zurückmeldeten, aber wenigstens als Zuschauer an die Strecke kamen, war die Not groß – und Jochen Urban aus dem Deutschland-Achter setzte sich ins Vierer-Bug. Wie schon 2004 in Athen – damals sprang er für Paul Dienstbach ein, jedoch mit viel größerer Vorbereitungszeit.

Der zweite Überraschungscoup nach dem Weiterkommen im Halbfinale sollte aber nicht gelingen. Von Beginn an fand der Vierer mit Gregor Hauffe auf der Position des Schlagmanns nicht ins Rennen. Nur kurzzeitig wurde der richtige Rhythmus gefunden, schließlich trudelte der Vierer weit hinter den Medaillen-Booten aus Großbritannien (Gold), Australien (Silber) und Frankreich (Bronze) über die Ziellinie.

„Wir sind zum Siebener ohne geworden“

„Ein bisschen ärgerlich ist, dass ausgerechnet die Franzosen Bronze holen, die wir im Vorlauf noch unter Kontrolle hatten Aber wer die Medaillen gewinnt, hat sie auch verdient“, sagte Hauffe als fairer Sportsmann. „Wir sind haben geradezu zu einem Siebener ohne geworden. Unter diesen Umständen war das erreicht Finale ein Erfolg. Allerdings hatten wir uns hier natürlich mehr erhofft, als gnadenlos hinterher zu schippern“, meinte Urs Käufer. Zufrieden mit dem Abschneiden war auch Coach Ralf Müller: „Großes Lob an die Truppe, vor allem an Gregor als Schlagmann und auch an Jochen, der seine Sache gut gemacht hat. In der Originalbesetzung hätte den Vierer unter den ersten Vier gesehen.“

Achter 2,30 Sekunden hinter China im B-Finale

Der Deutschland-Achter beendete die olympische Regatta auf dem achten und damit letzten Platz. Da Jochen Urban in den Vierer rückte, musste das Flaggschiff umbesetzt werden. Es war kein schwerer Riemenruderer mehr einsatzfähig, so dass er vom leichtgewichtigen Jörg Lehnigk ersetzt wurde. Er nahm im Bug Platz und Florian Eichner rutschte auf Urbans Position mit Mittelschiff vor. Nach diesem Handicap kam das wieder deutlich lockerer wirkende Team im bloß mit zwei Booten besetzten B-Finale 2,30 Sekunden hinter dem chinesischen Großboot ins Ziel, das ebenfalls im Hoffnungslauf ausgeschieden war.
 


www.frauenachter.de vom 15.8.2008:

Finale im Männer Vierer

Nach dem grandiosen Halbfinale des deutschen Vierers ist Marco Neumann erkrankt und kann heute nicht mit dabei sein. Für ihn kommt Jochen Urban aus dem Deutschlandachter ins Boot. Am Start liegen also Urs Käufer, Gregor Hauffe, Richard Schmidt und Jochen Urban gegen die Vierer aus Frankreich, Australien, Slowenien, Großbritannien und Tschechien.

TANJA KNÖLL
 

Die ersten Schläge sitzen im deutschen Boot, die Vier kommen gut vom Start weg. Nach der Startphase kommt der deutsche Vierer leicht in Rückstand, das Feld liegt eine halbe Länge davor. Nach 500 Metern ist es der sechste Platz für Deutschland, während Australien führt, aber nur knapp vor dem britischen Vierer.

Kurz vor der Streckenhälfte liegen die Briten eine halbe Länge hinter Australien, das Feld knapp dahinter. Der deutsche Vierer hält ganz gut mit, weiterhin auf Platz sechs. Slowenien greift Großbritannien an, diese beiden Mannschaften rudern nun gleichauf. Auch die Franzosen auf Bahn eins wollen noch ein Wörtchen mitreden. Das wollen sich die Briten so nicht mehr länger anschauen und spurten auf dem dritten Streckenviertel. Aber die Australier kontern diesen Spurt und halten eine halbe Länge Vorsprung vor Großbritannien und Slowenien. Die Franzosen und Tschechen sind auf den Plätzen vier und fünf auf Tuchfühlung zur Spitze. 

Die Briten setzen erneut zu einem Spurt an und kommen mir wuchtigen Schlägen auf! 250 Meter vor dem Ziel schieben sie sich Schlag um Schlag an die Australier heran, schon sind die Bugspitzen der beiden Boote auf einer Höhe und die Briten ziehen vorbei! Australien hat dem nichts mehr entgegen zu setzen und muss die Briten ziehen lassen. Dahinter kommt plötzlich Frankreich noch heran und spurtet an den Tschechen und Slowenen vorbei auf Platz drei! 

Gold geht also fast traditionell an die Briten, Silber an Australien und Bronze an Frankreich. Vierter wird der Vierer aus Slowenien vor den Tschechen auf Platz fünf. Der deutsche Vierer wird Sechster. Ein Platz, der unter diesen Umständen im Vorfeld aller Ehren wert ist, wurde er doch in einem olympischen Finale errudert. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung an Jochen Urban, Richard Schmidt, Urs Käufer und Gregor Hauffe. Zieleinlauf: GBR, AUS, FRAU, SLO, CZE, GER


Südwest Presse Ulm vom 14.8.2008:

Ruderer auf der Achterbahn der Gefühle

Marcel Hacker und das Frauen-Großboot folgten dem Deutschland-Achter ins Tal der Tränen bei den Ruder-Wettbewerben in Shunyi. Dafür sorgten Vierer und Zweier für unerhoffte Glücksmomente.

UTE GALLBRONNER

Marcel Hacker, ein Häufchen Elend: Das Finale verpasste der eigenwillige Skiff deutlich. Foto: dpa

Die Köpfe konnten eigentlich gar nicht tiefer hängen bei den deutschen Riemen-Ruderern im Olympischen Dorf. Das sportliche Drama um den Deutschland-Achter, der im Hoffnungslauf kläglich gescheitert war, dazu die Ätsche-Bätsch-Haltung der ausgebooteten Konkurrenten aus der Heimat. Aber als ob das noch nicht genug gewesen wäre, wurde die Vierer-Crew auch noch von einem Bakterium befallen.
 
Der Leverkusener Toni Seifert bekam über Nacht hohes Fieber, Filip Adamski machte sich zwar auf den Weg zum Ruderpark, musste dann aber wegen Magenproblemen aufgegeben. So mutierten Richard Schmidt und Marco Neumann von Kühlwesten-Trägern zu Olympioniken. Gregor Hauffe übernahm die Rolle des Schlagmanns von Adamski, dahinter nahm wie gewohnt Urs Käufer (Ulm) Platz und die Neulinge, frisch von der U-23- WM, ruderten hinten was nur ging.
 
"Wir haben an gar nichts mehr geglaubt. Wir wollten nur ein beherztes Rennen fahren und uns nicht abkochen lassen", erzählt der Ulmer: "Aber dann lagen wir plötzlich nicht eine Länge hinter den Holländern, sondern vor ihnen." Und dort blieben sie auch. Schon wenige Meter bevor die erlösende Tröte ertönte, riss Käufer die Arme hoch: Der Vierer ohne hat das Wunder geschafft und steht im Finale. "Dass wir so ein Ding abgeliefert haben, das kann ich einfach nicht glauben. Wahnsinn", wiederholte Käufer immer wieder. Emotionen pur. In welcher Besetzung am Samstag gerudert wird, das entscheidet der Arzt.
 
Der Rest der Riemen-Crew wollte sich da nicht lumpen lassen: Tom Lehmann und Felix Drahotta zauberten mit einem unbekümmerten Auftritt ein Lächeln auf das Gesicht von Christian Viedt. Der Coach, der mit seinen Achter-Jungs leidet, durfte sich über einen weiteren unerwarteten Finalplatz freuen. "Mit 19 schon in einem Olympia-Finale, das ist eigentlich zu gut", meinte der Rostocker Drahotta grinsend.
 
Unbekümmert und ohne Erwartungsdruck waren die beiden gerudert, ebenso wie später der Not-Vierer, der noch nie gemeinsam im Boot gesessen hatte. Sie haben geschafft, was von anderen erwartet worden war. Von Marcel Hacker beispielsweise. Mehr als drei Sekunden fuhr der egozentrische Skiff hinterher. Nach dem Aus bot er ein ähnliches Bild wie die Kollegen tags zuvor: Zusammengesunken hing der 1,96-Meter-Mann da und starrte fassungslos aufs Wasser.
 
"Ich habe bis zum Schluss gefightet, es hat nicht gereicht. Jetzt muss ich erstmal mit meinem Trainer analysieren, woran es gelegen hat", sagte Hacker, der sich losgelöst vom Rest der deutschen Ruderwelt vorbereitet hatte.
 
Neben den beiden prestigeträchtigsten Bootsklassen ist auch der Frauen-Achter nur noch als Beiprogramm zu sehen, ebenso der Doppel-Zweier der Männer. Fünf Boote sind dagegen im A-Finale, vier können heute nachziehen. Trotzdem sind die glorreichen Zeiten vorbei, das war schon bei der Heim-WM in München augenscheinlich.
 
"Aus ganz bitteren Niederlagen sind schon große Sieger hervorgegangen", versuchte Sportdirektor Michael Müller seine geknickten Achter-Crew wieder aufzurichten. Ein wenig hilflos wirkte der Versuch. "Das tat natürlich weh, da explodieren die Emotionen, und es geht kreuz und quer. Achter gewonnen ist Olympia gewonnen, so ist das nun mal in der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland", räumte Verbands-Präsident Siegfried Kaidel ein. Die kurzfristige Umbesetzung sei sicher ein Risiko gewesen, gestand der Chef zu, wies aber darauf hin, dass Müller nur vier Positionen wechseln wollte. Zwei blieben sowieso drin, "aber Philipp Stüer und Thorsten Engelmann haben aus persönlichen Gründen oder aus Solidarität zu den anderen leider abgesagt. Eine Mischung wäre ideal gewesen." Die Fronten waren längst verhärtet, die Lager gebildet - die Verantwortung dafür muss sich wohl Ex-Coach Dieter Grahn anlasten lassen.
 
Zur Person von Müller, dessen Rücktritt die alte Crew gestern in verschiedenen Medien gefordert hatte, wollte Kaidel nicht direkt Stellung nehmen. Aber es ist kein Geheimnis, dass der Verband schon vor den Spielen nach einem hauptamtlichen Cheftrainer für alle Bootsklassen gesucht hat: "Der Sportdirektor wird dann keine sportfachliche Verantwortung mehr tragen."
 
Kaidel ist nicht bange um die Zukunft seines Sports, man sei dabei aus den nicht so fetten Jahren der Gegenwart die richtigen Schlüsse zu ziehen. "Natürlich gibt es keine Garantie für den richtigen Weg. Aber wir haben ja auch hier noch einige olympische Entscheidungen. Vergessen wir die anderen Bootsklassen nicht."


www.rudern.de vom 13.8.2008:

Wechselbad der Gefühle

Frauenachter und Hacker raus, doch die Jungen schaffen das Wunder

Der Deutsche Ruderverband (DRV) hat heute drei Boote auf dem Weg zu den olympischen Finals verloren. Doch trotz der großen Niederlagen freuten sich die Verantwortlichen auch über die sensationelle Qualifikation vom jungen Männer-Zweier ohne und dem Männer-Vierer ohne. Der Vierer musste knapp 2 Stunden vor dem Rennen mit den beiden Ersatzleuten Richard Schmidt (Trier) und Marco Neumann (Magdeburg) besetzt werden, da sowohl Filip Adamski als auch Toni Seifert krankheitsbedingt über Nacht ersetzt werden mussten. DRV-Sportdirektor Michael Müller: "Es gibt im Rudern eigentlich keine Wunder, aber heute haben wir zwei erlebt. Selbst Ralf Holtmeyer hat mir bestätigt, dass er dies in 30 Jahren noch nicht erlebt hat."

Oliver Palme

Jubel im Männer-Vierer Foto: www.rudern.de

Marcel Hacker dagegen konnte in seinem Halbfinale nicht an die Leistung aus dem Viertelfinale anknüpfen. Er belegte den vierten Platz und musste sichin einem spannenden Rennen Lassi Karonen, Olaf Tufte und Tim Mayens geschlagen geben. "Die anderen drei waren heute einfach besser, da kann ich nichts machen. Ich habe versucht zu attackieren, hatte heute aber einfach die Beine nicht dafür. Ich habe am Anfang der Saison gesagt, dass hier sechs bis neun Skuller in das Finale fahren können und so ist es gekommen." 

Auch der Männer-Doppelzweier mit Clemens Wenzel und Karsten Brodowski aus Potsdam konnte sich mit einem sechsten Platz nicht für das Finale qualifizieren. Selbst die Goldfavoriten Cop/ Spik (SLO) und Waddell/ Cohen (NZL) mussten kämpfen, um hier nicht das Finale zu verpassen. Auch der Frauenachter schaffte es nicht, die Zielstellung zu erreichen. Nach einem harten Kampf ruderte man auf dem enttäuschenden fünften Platz ins Ziel und ist nun nicht für das Finale qualifiziert. Knapp 2 Sekunden fehlten im Ziel, um hier in den Kampf um die Medaillen am Sonntag eingreifen zu können. 

Ein unglaubliches Rennen ruderten dagegen die Youngsters Tom Lehmann und Felix Drahotta. Sie fuhren das Rennen ihres Lebens und konnten auf den letzten 200m die Finalteilnahme mit einem dritten Platz sichern. Tom Lehmann: "Ich hätte es mir zu Beginn der Saison noch nicht einmal ansatzweise vorstellen können im Finale zu stehen. Der Glaube daran hat sich mit den Rennen gesteigert, der Wille in mir ist von Tag zu Tag gewachsen und jetzt haben wir unseren Traum wahr gemacht. 

Felix Drahotta:" Ich habe vorher zu Tom gesagt: Bevor wir hier hinterher fahren, falle ich hier lieber nachher tot um. Alles oder nichts war die Devise, denn wir mussten nicht in das Finale fahren. Auf den letzten 300m war alles nur schwarz, ich wollte einfach nur durchbeißen. Ich habe gehofft, dass ich zur U23-WM kommen kann, aber Olympia hatte ich mir nicht vorgestellt. 

Auch der Männer-Vierer ohne schaffte ein nie für möglich gehaltenes Wunder. Nachdem man vorher nur 4 KM rudern konnte, setzte man sich gegen die gesamte Weltelite durch und holte einen dritten Platz noch vor dem Goldfavorit in dieser Bootsklasse aus den Niederlanden. Schon 20m vor dem Ziel reckten Schlagmann Gregor Hauffe und Urs Käufer die Arme und die Höhe und jubelten. 

Gregor Hauffe: "Ich dachte, dass wir nicht an die Leistung anknüpfen können. Doch die Jungs haben das herausragend gemacht, wir hatten als Marschroute: "Alles oder Nichts"! Wir wollten uns nicht auf den Endspurt verlassen und sind so lange wie es geht auf dem Gas gegeben." 

Urs Käufer: "Ich kann es immer noch nicht ganz glauben, das ist der absolute Wahnsinn. Wir sind heute morgen noch davon ausgegangen, dass wir mit Filip und Toni das Rennen fahren. Dann setzen wir uns mit den Ersatzleuten rein und fackeln im Rennen so ein Ding ab, das kann ich einfach nicht glauben. Ich habe gehofft, dass wir uns nicht völlig abschippern lassen. Unfassbar, auf den letzten 200m habe ich nur noch gedacht: Finale, Finale!" 

Richard Schmidt: "Ich kann es nicht glauben, wir wollten nichts und sollten einfach nur gut rudern. Von Anfang an waren wir dabei, haben gebissen und gebissen. Ich hatte Schiss, dass der Endspurt zu hart wird. So einen Endspurt bin ich noch nie gefahren."


www.deutschlandachter.de vom 14.8.2008:

Überraschungen: Zweier und Vierer im olympischen Finale

CARSTEN OBERHAGEMANN

Das neu zusammengesetzte Quartett: Gregor Hauffe (von links), Urs Käufer, Richard Schmidt und Marco Neumann. Foto: www.deutschlandachter.de

Mit ihrer Unbekümmertheit haben der erst 19-jährige Felix Drahotta und der nur ein Jahr ältere Tom Lehmann den Sprung ins olympische Finale im Zweier ohne Steuermann geschafft. Hinter den Ginn/Free aus Australien und den Amerikanern Winklefoss/Winklefoss belegten die Youngster aus Rostock im Halbfinale den dritten Platz; sie setzten sich gegen die Serben Jagar/Stojic und die Italiener de Vita/Leonardo durch. Die Dänen spielten keine Rolle.

Während die Weltmeister Ginn/Free ein einsames Rennen von der Spitze fuhren, lagen 300 Meter vor dem Ziel noch vier Boote auf einer Höhe und Lehmann/Drahotta legten ihre Endspurt-Qualitäten in die Waagschale. „Ich hatte mir vorher gesagt: Bevor wir hinterher fahren und das Finale verpassen, will ich lieber tot im Boot umfallen“, sagte Drahotta, der sich in der Interviewzone nicht mehr auf den Beinern halten konnte und auf einem Stuhl sitzend die Journalistenfragen beantwortete.

Als absolut unbekannte Neulinge stehen die beiden nun im Kreis der Besten und fahren am Samstag um  Uhr um die Medaillen mit. Gegner sind neben dem australischen und dem US-amerikanischen Zweier auch noch Kanada (Frandsen/Calder), Neuseeland (Twaddle/Bridgewater) und Südafrika (Keeling/di Clemente). „Wenn wir nicht Letzter werden sollten, wäre das schon das Geilste“, meinte Drahotta.

Vierer trotzt Krankheitspech


Die zweite große Überraschung des Tages lieferte der Vierer ohne Steuermann, der ebenfalls ins Finale einzog. Nachdem am morgen Filip Adamski und Toni Seifert wegen eines bakteriellen Infektes ausgefallen waren, schien der Traum vom olympischen Finale schon ausgeträumt. „Wir liefen den ganzen Tag mit hängenden Köpfen herum und haben uns nichts mehr erhofft“, meinte Urs Käufer.

Doch es kam anders: Mit Gregor Hauffe als neuem Schlagmann und den beiden Ersatzleuten Richard Schmidt und Marco Neumann im Bug ging im Rennen „richtig die Post ab“. Von Anfang an lag der Vierer aussichtsreich im vorderen Feld. Käufer: „Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als bei 750 Metern die Holländer nicht eine Länge vor uns lagen, sondern eine Länge zurück. Wahnsinn.“

Das nur Stunden zuvor neu zusammen gewürfelte Quartett behielt den Rhythmus und konnte im Endspurt sogar noch einmal zulegen. Gregor Hauffe: „100 Meter vor dem Ziel hab ich gesehen, dass wir an den Weißrussen vorbei sind und auch von den Holländern Ziel hat dann Urs gesagt ‚locker’ – da war ich dankbar. Und irgendwann kam auch die Tröte.“ Urs Käufer erlaubte es sich sogar vor der Ziellinie die Hand vom Riemen zu nehmen und sie zum Jubeln in die Höhe zu recken.

Gegner im Finale sind nun Slowenien, Tschechien, Olympiasieger Großbritannien, Australien und Frankreich. Nicht ein Medaillenboot vom der WM 2007 in München setzte sich durch: Weltmeister Neuseeland schied genauso aus wie Italien und die Niederlande.


Neu-Ulmer Zeitung vom 11.8.2008:

Am Rande des Herzinfarkts

Peking (pim/hjk) - Das schwülwarme Klima von Peking macht Urs Käufer zu schaffen. „Ich habe Probleme, mein Gewicht zu halten und seit der Ankunft schon anderthalb Kilo verloren“, meldete der Ruder-Olympionike aus Ulm in einer Mail in die Heimat. Sportlich immerhin läuft es ziemlich nach Wunsch. Käufer und seine Kameraden haben im deutschen Vierer als Zweiter des Vorlaufs direkt das Halbfinale erreicht, beim Hoffnungslauf heute können sie ganz entspannt zuschauen.

 

Foto: Alfa

Die Pause wird der Besatzung des deutschen Bootes gut tun. Obwohl die Ruderer auf dringendes Anraten ihrer Delegationsleitung am Freitag auf die Teilnahme an der Eröffnungsfeier verzichtet haben, wurde das Rennen am nächsten Tag zu einem echten Härtetest. „Die Hitze war fast unerträglich und die Beine haben noch mehr gebrannt, als sonst“, schilderte Käufer die extremen Bedingungen: „Ich habe gehört, dass einige fast einen Herzinfarkt bekommen hätten.“

Das deutsche Boot erwischte einen schwachen Start und lag bis zur 1500-Meter-Marke an vierter Stelle. Dann aber packten Philipp Adamski, Urs Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe ihren international gefürchteten Endspurt aus. Auf den letzten 500 Metern zogen sie noch an Frankreich und Irland vorbei und belegten am Ende eine halbe Sekunde hinter Australien Platz zwei. Fast genau sechs Minuten lang waren sie insgesamt unterwegs, wesentlich schneller war auch in den anderen Vorläufen kein Boot.

Dabei haben Käufer und Co ihre Karten wohl noch gar nicht ganz aufgedeckt. Vater Hansjörg Käufer zählte zu Hause am Fernsehschirm auf den letzten 500 Metern einen 41er-Schlag, bis zu 45 Schläge pro Minute hat die Besatzung des deutschen Boots drauf. „Keine Sorge. Wir packen im Halbfinale einen drauf“, verspricht Urs Käufer in seiner Mail: „Wir wollen uns auf jeden Fall unseren Platz im olympischen Finale sichern und das schaffen wir auch.“

Das Halbfinale wird am Mittwoch in zwei Läufen gerudert. Die jeweils drei ersten Boote qualifizieren sich für das A-Finale, die anderen rudern im B-Finale.


Sonntag Aktuell Ausgabe Ulm vom 10.8.2008:

Käufer und Co. im Halbfinale

Als Zweiter des Vorlaufs ist der deutsche Vierer ohne Steuermann bei den Olympischen Spielen in Peking ins Halbfinale eingezogen.

UWE

"Wenn wir ins Finale wollen, müssen wir noch eine Schippe drauflegen", stellte der Ulmer Urs Käufer fest. "Der Endspurt kam rechtzeitig, und wir haben im Endspurt noch Reserven", gab sich Schlagmann Filip Adamski gewohnt gelassen, ehe sich die Vier in ihren Kühlwesten zum Ausrudern begaben. Eine kleine Trainingseinheit ließen sie noch folgen, ehe es ganz dunkel wurde über dem Sunyi Ruderpark.

Kurz vor 18 Uhr Ortszeit war der Vierer ohne im letzten Rennen des Tages dran. "Es war schon ganz schön düster unter der Sonnenbrille. Aber das ist O.K. für uns, dann ist es etwas kühler", meinte Adamski. Es folgte ein Rennen, wie man es von diesem Quartett kennt. Die Australier mit den Franzosen im Schlepptau ließen sie vornweg fahren, versuchten die Iren in Schach zu halten. Nach 1500 Meter hatten aber plötzlich auch die Männer von der Insel die Nase, sprich die Bugspitze vorn.

Dann schaltete Adamski einen Gang hoch, im Eiltempo schluckte der deutsche Vierer erst die Iren, dann die Franzosen, die am Ende komplett einbrachen. "Die Australier hätten wir auch noch gepackt, aber darum ging es ja nicht", sagte Käufer.

Jetzt gilt es, die Hoffnungsläufe am Montag abzuwarten, dann stehen die Gegner fürs Halbfinale (Mittwoch/12.30 Uhr MESZ) fest. Australien und den anderen Vorlaufsiegern, Holland und Großbritannien, würde Käufer gerne aus dem Weg gehen, doch ganz so glatt wird es wohl nicht laufen. Bleibt die Hoffnung, dass sich die Taktik mit dem famosen Endspurt noch nicht bei allen herumgesprochen hat: "Aber egal wie, wir sind auf jeden Fall ein unbequemer Gegner", sagt Adamski.


Südwest Presse Ulm  vom 9.8.2008:

Ping-Pong statt Eröffnungsfeier für Urs Käufer

Am heutigen Samstag (11.50 Uhr MESZ) beginnen für den Ulmer Urs Käufer die Olympischen Spiele in Peking. Im dritten Vorlauf startet der deutsche  Vierer ohne auf Bahn eins. "Wir sind gut drauf. Alles läuft", stellte Käufer fest. Bugmann Gregor Hauffe ergänzte nach dem gestrigen Abschlusstraining: "Wir haben gut zusammengefunden und sind uns einig. Es kann losgehen."

UWE

Einig waren sich Käufer, Hauffe, Gregor Seifert und Filip Adamski auch in der Entscheidung auf die Eröffnungsfeier gestern Abend zu verzichten. Sechs Stunden auf den Beinen, nicht vor 1 Uhr morgens im Bett - so sieht definitiv nicht die richtige Vorbereitung auf einen olympischen Wettkampf aus. Das Risiko ist einfach zu groß, also muss Trainer Ralf Müller seine Schützlinge vertreten - er tut es gern.

Mit dabei war aber der langjährige Ulmer Trainer Christian Viedt. "Es wird aber hart", wusste er schon unmittelbar vor der Abfahrt: "Aber das chinesische Alphabet kommt uns natürlich entgegen." Deshalb kamen die Deutschen gestern ziemlich am Schluss dran und konnten auch später anreisen als andere Nationen. Vorher hatte Viedt aber noch eine Höllentour hinter sich gebracht. Als einer der letzten wollte er vom Sunyi-Ruderpark zurück in die Stadt. Doch der letzte Bus kam einfach nicht mehr. Also wurde in mühevoller Überzeugungsarbeit ein Taxi organisiert. "Die Holländerin war stinksauer. Das hat dann auch den Soldaten an der letzten Einfahrt überzeugt", meinte der ruhige Trainer grinsend.

Mit dem deutschen Fahnenträger Dirk Nowitzki war Urs Käufer schon am Donnerstag im Deutschen Haus aufeinander getroffen. Da lieferte sich der Vierer mit den Basketballern ein Match am elektronischen Ping-Pong. Zu feiern gab es zumindest ein gutes Los: Sie erwischten einen Vorlauf mit nur vier Booten, müssen also nur einen Gegner schlagen, um direkt ins Halbfinale einzuziehen.


Neu-Ulmer Zeitung vom 4.8.2008:

Am Tisch mit Dirk Nowitzki

Ulm/Peking (hjk) - Urs Käufer und die anderen deutschen Ruderer haben sich inzwischen gut eingelebt im olympischen Dorf in Peking. Die schlechte Luft in der chinesischen Hauptstadt bereitet dem Ulmer und seinen Kameraden zwar Probleme, aber eine tolle Entschädigung war für Käufer die Begegnung mit den deutschen Basketballern mit ihrem Superstar Dirk Nowitzki und dem Ex-Ulmer Konrad Wysocki.

 

Foto: Alfa

"Ich durfte beim Mittagessen bei Nowitzki und den anderen deutschen Nationalspielern am Tisch sitzen und kam mir neben denen wie ein Würstchen vor", heißt es in einer Mail von Käufer in die Heimat: "Ich will mir auf jeden Fall ein Basketballspiel anschauen." Generell gefällt dem Ulmer die olympische Atmosphäre überaus gut: "Man hockt nicht, wie bei einer Weltmeisterschaft den ganzen Tag nur auf dem Hotelzimmer und wartet auf seinen Einsatz, sondern man hat viel Ablenkung. Aber sobald wir im Bus sitzen und zur Strecke fahren, bauen wir die Konzentration auf. Einfach die perfekte Mischung."

Im olympischen Dorf bleiben fast keine Wünsche offen. Die Männer des Vierers bewohnen zusammen mit zwei Ruderern aus Rostock ein Sechs-Personen-Appartement. Verpflegung und Freizeitangebot sind hervorragend. "Wir können uns die freie Zeit in einer Halle mit Billard, Tischkickern, Airhockey und Videospielen vertreiben", berichtete Urs Käufer.

Vom Dorf zum Shunyi-Rowing-Park benötigt der Shuttlebus eine knappe Stunde. Die Strecke wird auf einer eigens angelegten Spur, der "Olympic-Lane" zurückgelegt. Auf der dürfen die Busse schneller als die üblichen 70 Stundenkilometer fahren. Offensichtlich hat das aber nicht jeder Fahrer begriffen und deshalb dauert es gelegentlich doch ein wenig länger.

Die Luft wurde in den letzten Tagen ein wenig klarer. "Wir haben sogar den blauen Himmel gesehen" meldete Käufer. Dass das Smogproblem damit nicht gelöst ist, musste der deutsche Vierer am Sonntag erleben. Trainer Ralf Müller lies sein Quartett 500 Meter im Renntempo bei 40 Grad rudern. "Das war brutal und wir haben gemerkt, dass die Luft wohl doch noch nicht ganz so rein ist. Alle hatten danach gereizte Bronchien", klagte der Ulmer. Mannschaftsarzt Dr. Uli Kau rechnet mit ein paar Tagen Anpassung, dann sollten die Beschwerden zurückgehen.


Neu-Ulmer Zeitung vom 1.8.2008:

Erst die Boote, dann die Ruderer

Breisach/Peking (hjk) - Der Ulmer Urs Käufer und die anderen deutschen Riemenruderer saßen in den Tagen vor der Abreise zu den Olympischen Spielen in Peking auf dem Trockenen. Die Sportler flogen am Mittwoch in die chinesische Hauptstadt, ihre Sportgeräte wurden bereits am vergangenen Sonntag dorthin verfrachtet.

 

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Der letzte Programmpunkt des Trainingslagers in Breisach bestand in einer Bootsreinigung. Danach wurden die teuren Rennboote abgeschraubt und versandfertig auf den Lagern des Transporters von Bootsmeister Markus Schmitz (Dortmund) festgezurrt. Schmitz ist für den Versand aller deutschen Ruderboote verantwortlich. Noch am Sonntag kutschierte er seine zwei Tonnen schwere Fracht direkt nach Luxemburg auf den Transportflughafen. Dort wurden die Boote in eine Bundeswehrmaschine verladen. Als die Athleten am Donnerstag zum ersten Mal den Shunyi Rowing Park betraten, war Schmitz mit den 18 Booten der deutschen Flotte samt Rudern und Zubehör bereits vor Ort.

Inzwischen hat sich Käufer auch schon telefonisch gemeldet. Alles sei in Ordnung, teilte er dem Vernehmen nach mit, lediglich die Zimmer im Olympischen Dorf seien etwas knapp bemessen.

Der vorletzte Programmpunkt von Breisach war ein Relationsrennen, in dem der leichte und schwere Vierer ohne Steuermann und der Deutschlandachter gegeneinander ruderten. Je nach erwarteter Endzeit wurden die drei Boote auf die 2000 Meter lange Strecke geschickt. Die Leichtgewichte starteten drei Sekunden vor ihren schweren Kollegen, 15 Sekunden später ging der Achter ins Rennen. Durch die vorher festgelegten Startzeiten sollte es zwischen den drei Booten auf den letzten 500 Metern zu einem spannenden Finish kommen, um die Härte eines olympischen Rennens zu simulieren. Letztlich ruderte der Achter eine Länge vor dem schweren Vierer mit Urs Käufer durch das Ziel. Mit den Zeiten waren Trainer und Athleten zufrieden.

Trainer Ralf Müller (Leverkusen) zog eine positive Bilanz. Es gab in Breisach keine Ausfälle, das umfangreiche Trainingsprogramm konnte voll durchgezogen werden. Zudem haben sich seine Schützlinge körperlich und technisch weiter entwickelt.


Stuttgarter Zeitung vom 1.8.2008:

Für Gold wird es wohl nicht reichen

Breisach - Das Flaggschiff des deutschen Rudersports ist der Achter. Ob die junge Mannschaft um den erfahrenen Steuermann Peter Thiede allerdings schon reif genug für eine Medaille in Peking ist, ist mehr als fraglich. Die gute Stimmung trübt das jedoch keineswegs.

von Dominik Ignée

Steuermann Peter Thiele arbeitet an der Trainingsrudermaschine - und die Ruderkollegen schauen zu. Foto: dpa

Der Mann, auf den sie hören, ist im Vergleich zu allen anderen ein Zwerg. Er heißt Peter Thiede, ist 167 Zentimeter hoch und sitzt bereits seit 1993 beharrlich im Deutschlandachter. 40 Jahre ist der Rostocker inzwischen alt. Er gab schon vor der Wende im DDR-Flagschiff die Kommandos und sah Generationen von Ruderriesen kommen und gehen. Doch der leichtgewichtige Wortführer blieb stets da, wo er hingehört: vorne im Boot, den rudernden Kleiderschränken zugewandt, ihnen den Schlagrhythmus zurufend. 

Peter Thiede kommt im deutschen Boot in etwa dieselbe Bedeutung zu wie vorn auf der Motorhaube eines Rolls-Royce die berühmte Kühlerfigur Spirit of Ecstasy. Anders ausgedrückt: gab es jemals einen besseren Steuermann? Negativ.

Nur einer lacht nicht

In Breisach am Rhein ist das Trainingslager des Achters, und es ziehen von Frankreich her plötzlich dunkle Gewitterwolken auf. Trotzdem lassen die Ruderer zu Übungszwecken ihr Boot zu Wasser. Die baumlangen austrainierten Männer schultern ihr Sportgerät und schlappen fröhlich pfeifend auf den Steg. Einer von singt sogar "Muss i denn, muss i denn zum Städele hinaus". Allgemeines Gelächter.

Nur Thiede lacht nicht. Erst als er einen doch sehr militärisch klingenden Befehl erteilt, lassen die Ruderer ihr Boot vorsichtig ab. Thiede hat nicht nur zu Wasser das sagen, sondern auch zu Land.

Er, der der Vater einiger Athleten sein könnte, geht seinen Kollegen manchmal ein wenig auf die Nerven, auch wenn er natürlich akzeptiert ist. "Es gibt keinen einzigen Schlag, bei dem der Peter mal nichts sagt", stöhnt Florian Eichner, den sie alle nur "Düse" nennen, weil er im Mittelschiff für Dampf sorgt. Seine Kollegen Philipp Naruhn Matthias Flach verdrehen die Augen und nicken zustimmend - während Thiede, der kleine Schleifer, gelassen neben ihnen hockt und höchst zufrieden grinst.

Alte Zöpfe abgeschnitten

"Ich bin hier nicht der Opa oder der Papa, meine Aufgabe ist es, die Jungs zu beruhigen, wenn es nötig ist, und ihnen in den Hintern zu treten, wenn der Vorsprung schmilzt", sagt der Steuermann. In Peking wird Thiede seine vierten und letzten Olympischen Spiele bestreiten, und da erwartet ihn wirklich keine leichte Aufgabe.

Im Team des Deutschlandachters wurden in den vergangenen Jahren nämlich alte Zöpfe abgeschnitten. Von verdienten Rudergrößen, die von selbst nicht den Absprung geschafft hätten, trennte man sich - und der Trainer heißt inzwischen Christian Viedt. Er ist ein junger, ruhig wirkender Geselle, bei dem man sich kaum vorstellen kann, dass er die Truppe auch mal richtig zusammenstaucht. "Man muss hin und wieder den Hammer kreisen lassen", sagt Viedt in ruhigem Ton. Es ist aber nur der zarte Versuch, Härte zu demonstrieren, die es möglicherweise nicht gibt.

Christian Viedt verrichtet seine Arbeit in der Funktion eines Interimstrainers, wie es für ihn nach Peking weitergeht, ist ungewiss. Erwarten darf der Deutsche Ruderverband von dem Coach und seinem Steuermann allerdings nicht, dass die "Operation Gold" zum Selbstläufer wird. Für viele der jungen, aber hochveranlagten deutschen Ruderer kommt Olympia 2008 wohl noch zu früh. Was ihnen fehlt, ist Erfahrung. Das Problem steht ohnehin schon fest: sollte der Deutschlandachter in Peking "untergehen", wird es Kritik hageln, denn in kein deutsches Boot werden höhere Erwartungen gesetzt als in das Flaggschiff. Seit Jahrzehnten ist das so.

Zum Erfolg verdammt

In den goldenen Sechzigern holte der Achter zwei Olympiasiege, erst 1960 in Rom, später 1968 in Mexiko. Die letzte Goldmedaille datiert aus dem Jahr 1988, danach gab es einen dritten, einen zweiten und einen achterunwürdigen vierten Platz in Athen. "Die Sportzuschauer warten wieder auf einen großen olympischen Erfolg", weiß Viedt, der es ärgerlich findet, dass darüber immer die Podiumsplatzierungen bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften vergessen werden, 2006 gab es sogar den Titel. Der Deutschlandachter hat es nicht leicht: stets zum Erfolg verdammt. Man dürfe aber niemals vergessen, betont Viedt und hebt den Finger, dass es auch in anderen Nationen eine Achtertradition gebe. Zum Beispiel bei den Amerikaner und Kanadiern. Das sind die Topfavoriten auf den Sieg in China.

"Zuletzt in Luzern befanden wir uns zehn Sekunden hinter der Weltspitze, und später gab es keine Möglichkeit mehr, unter Wettkampfbedingungen zu trainieren", bemängelt der Coach und nimmt seine Leute damit vorsorglich in Schutz, sollte es keine Medaille geben. Inzwischen ist die Übungsfahrt beendet. Die hochgewachsenen Burschen sind nass geworden, die dunklen Wolken aus Frankreich haben sich über ihnen entladen.

Nudeln ohne Ende

Im Bootshaus verstauen sie feinsäuberlich ihr 16 Meter langes Boot, es war 40.000 Euro teuer, da dürfen keine Kratzer in den Lack. Zwei Stunden später lädt sich die Kücken-truppe im Gasthaus Krone in Achkarren bei Breisach am Büfett die Teller voll: Nudeln ohne Ende, Fleischberge, Salat - man muss bei ihnen nicht die Sorge haben, dass auch nur irgendetwas etwas übrig bleibt.

Einer der ruhigsten von ihnen ist Andreas Penkner, der Schlagmann, der den Takt vorgibt. Penkner ist 25 und damit schon einer der wenigen Routiniers im Boot. Im Mittelschiff sitzt der Motor mit jungen kraftstrotzenden Männern wie Eichner und Naruhn. Und dann gibt es noch Flach, den "Hybrid", der technisch versiert ist und kräftig zugleich - er soll mit etwas weniger Aufwand dafür sorgen, dass die Geschwindigkeit gehalten wird.

"Für uns ist Peking wie Wimbledon für Tennisspieler - also das Nonplusultra, auf das wir alle hingearbeitet haben wie verrückt", sagt Flach. Seine Kollegen um ihn herum kichern, weil er diesen Satz so erwachsen und staatsmännisch vorgetragen hat. Der neue, junge Deutschlandachter befindet sich also in bester Laune. Es wäre ein Jammer, würde sie ihm in Peking vergehen.

Südwest Presse Ulm vom 29.7.2008:

Abriggern für Peking

Urs Käufer erholt sich in den letzten vorolympischen Tagen

Urs Käufer und seine Ruder-Kollegen sitzen auf dem Trockenen. Die Boote der deutschen Olympioniken werden heute in Peking erwartet. Die Athleten sollen sich bis zum Abflug morgen schonen.

UTE GALLBRONNER

Entspannung mit Freundin Jasmin: Ulms Ruderer Urs Käufer vor der Abreise nach Peking. Foto: Eibner

"Hände weg von Riemen, Rädern und Hanteln", diese Devise hat Trainer Ralf Müller seinem Vierer mit auf den Weg gegeben. Es wird den Ruderern schwer fallen, nachdem sie einen Monat lang jeden Tag in Breisach geschuftet haben. In den letzten Stunden vor dem Abflug in Richtung Peking ist höchstens ein wenig Laufen angesagt. Der Ulmer Urs Käufer, Filip Adamski, Gregor Hauffe und Toni Seifert sollen sich noch einmal erholen.

Zu diesem Zwecke ist Käufer nach Bochum zu Freundin Jasmin gefahren. Morgen hebt dann in Frankfurt der Flieger ab. Bereits am 9. August, einen Tag nach der Eröffnungsfeier, steht der Vorlauf an. Da drängt sich die Frage auf, ob die Crew zur Eröffnungsfeier geht. "Natürlich will ich dabei sein. So etwas erleb ich vielleicht nie wieder", sagte Käufer zuletzt in Breisach. Aber es sind auch Bedenken aufgekommen, denn die Feier am Freitag Abend bringt stundenlanges Stehen in voraussichtlich brütender Hitze mit sich - eine ideale Vorbereitung auf einen olympischen Wettkampf sieht anders aus. Die Entscheidung wird erst vor Ort in Peking getroffen. Gemeinsam, denn der Teamgeist ist das, was die Crew auszeichnet - zumindest betonen das alle vier immer wieder.

Einen ganzen Monat lang wurde im Trainingslager in Breisach zuletzt geschuftet. Zum Abschluss gabs dann am Sonntag noch ein Relationsrennen auf dem aufgestauten Rhein gegen den Achter und den leichten Vierer. Das leichte Quartett wurde zuerst losgeschickt, drei Sekunden später die schweren Jungs und wieder zwölf Sekunden danach das Flaggschiff. Am Ende hatte der Achter eine Länge Vorsprung, für die Vierer-Crew Grund zufrieden zu sein. Bei diesem letzten Test hatten sich alle noch einmal völlig ausgepowert, kurze Zeit hatte vor allem Schlagmann Filip Adamski mit den Folgen zu kämpfen. Er hatte ja in der Vergangenheit massive gesundheitliche Probleme bei extremer Belastung bekommen. "Aber das haben wir im Griff", sagt Teamarzt Uli Kau. Adamski hat seine Ernährung umgestellt. "Vor allem haben wir meine Trinkgewohnheiten verändert", meint er augenzwinkernd. Viel Flüssigkeit muss rein in den Körper.

Nach kurzer Erholung am anderen Ufer und weiteren vier Kilometern lockeren Ausruderns, war auch "der Pole" wieder fit. Die Reise nach Peking - der Vierer ohne Steuermann tritt sie optimistisch an. Bereits auf dem Weg sind die Boote. Abriggern, war am letzten Tag im Schwarzwald angesagt. Frei übersetzt: Alles wird abgeschraubt, was irgendwo wegsteht oder rausfallen könnte, der Rest festgeklebt. Danach wurden die nackten Boote auf den Hänger verladen, mit dem sich Schmitz auf den Weg nach Luxemburg machte, von wo aus es mit überlangen Frachtflugzeugen der Bundeswehr nach Peking ging. "Die machen nicht mehr als 500 km/h", lästert Sportsoldat Käufer - es kann also dauern. Schmitz jedenfalls ist dabei, nimmt die wertvolle Fracht in Peking in Empfang und bringt sie in den wenige Kilometer vom Flughafen entfernten Sunyi Ruderpark. Die Athleten folgen morgen.


www.deutschlandachter.de vom 15.7.2008:

DOSB bestätigt DRV-Vorschläge

Neue Serie: Zwölf Fragen an die Olympiateilnehmer

Jetzt ist es offiziell: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat den Vorschlägen des Deutschen Ruderverbandes entsprochen und diese Sportler vom Dortmunder Ruderleistungszentrum für die Olympischen Spiele nominiert: 
Deutschland-Achter: Andreas Penkner, Kristof Wilke, Florian Mennigen, Jochen Urban, Philipp Naruhn, Matthias Flach, Sebastian Schmidt, Florian Eichner und Steuermann Peter Thiede.
Vierer ohne Steuermann: Filip Adamski, Urs Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe.
Zweier ohne Steuermann: Felix Drahotta und Tom Lehmann.

CARSTEN OBERHAGEMANN

Urs Käufer (2.v.l.) sitzt auf Position drei im Vierer. Foto: Hansjörg Käufer

Neue Serie: Zwölf Fragen an...

In einer vorolympischen Serie wollen wir die nominierten Athleten näher vorstellen und haben sie gebeten, zwölf Fragen beantworten. Den Anfang macht Urs Käufer (Ulmer RC) aus dem Vierer ohne Steuermann.

Wie sieht dein beruflicher Werdegang aus, was fasziniert dich daran und was ist Dein Berufswunsch?
Käufer: Ich bin seit knapp 4 Jahren Sportsoldat und werde im Oktober anfangen, Wirtschaftspsychologie in Bochum zu studieren.

Was machst du als erstes, wenn Du morgens aufstehst?
Käufer: Ich gehe ins Bad und putze mir die Zähne.

Wo und wie wohnst Du?

Käufer: Ich wohne seit Ende 2007 mit meiner Freundin in Bochum in einer 2 1/2 Zimmer Wohnung. Davor habe ich in Dortmund in einer 3er-WG gewohnt.

Wer ist die wichtigste Person in Deinem Leben?

Käufer: Eigentlich sind es mehrere Personen. Natürlich meine Freundin Jasmin, meine Eltern und meine Schwester.

Hast Du ein Idol?

Käufer: Da gibt es wieder mehrere. Aber einer der größten Sportler ist wohl der Sprinter Michael Johnson. Im Rudersport ist mein Idol James Tomkins, der als einziger Ruderer in jeder Riemenbootsklasse Weltmeister geworden ist. Nicht zu vergessen seine Olympiamedaillen.

Was hast du zuletzt gelesen?

Käufer: Ich lese sehr selten, aber das letzte Buch war Neue Vahr Süd. Ich habe es zum Geburtstag bekommen, deswegen musste ich es lesen.

Was war dein schönstes Urlaubserlebnis und wohin geht deine nächste Reise nach der Zeit in Peking?

Käufer: Mein schönstes Urlaubserlebnis war ganz klar die Woche im Robinson Club 2006 beim Champion des Jahres. So viele Sportler auf einem Haufen, das kann nur Spaß machen. Meine Urlaubsplanung für Peking steht noch nicht fest.

Was bedeutet Peking für Dich?

Käufer: Dasselbe wie für jeden Sportler. Man hat Jahrelang darauf hingearbeitet, auf dieses eine Ziel. Es ist das größte und wichtigste Sportereignis der Welt.

Was willst Du dort außerhalb der Ruderstrecke sehen?

Käufer: Die Chinesische Mauer und die Verbotene Stadt interessieren mich sehr.

Welche olympische Sportart fasziniert Dich als Zuschauer?

Käufer: Schwimmen ist für mich eine interessante Sportart und Leichtathletik würde ich mir auch gerne anschauen. Wenn es klappt auch noch ein Handballspiel der deutschen Nationalmannschaft.

Was zeichnet Deine Mannschaft, in der Du ruderst, aus?
Käufer: Wir verstehen uns blind. Sowohl im Boot als auch im Leben drum herum. Und natürlich zeichnet uns unser Endspurt aus.

Was habt Ihr in den letzten Wochen am meisten verbessert?

Käufer: Wir konnten deutlich an Physis zulegen und unsere Technik noch besser aufeinander abstimmen.


Sonntag Aktuell Ausgabe Ulm vom 13.7.2008:

Schwitzen hinter Rebstöcken

Urs Käufer und Trainer Christian Viedt bereiten sich auf die Olympischen Spiele vor

Zwei Ulmer bereiten sich gerade in Achkarren am Kaiserstuhl auf die Olympischen Spiele in Peking vor. Einmal Urs Käufer, der im Vierer ohne Steuermann um Gold fahren will. Zum anderer ist das Christian Viedt, der als neuer Trainer den Achter wieder auf Vordermann bringen will.

UTE GALLBRONNER

Schuften für Peking: Der Vierer ohne Steuermann mit (von rechts) Filip Adamski, Urs Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe stecken gerade mitten in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele Privatfoto

Achkarren am Kaiserstuhl ist für die deutschen Riemen-Ruderer derzeit der Nabel der Welt. In der Krone haben sie vor zwei Wochen Quartier bezogen. Ein paar Fähnchen schmücken den Biergarten, im Speiseraum geht es eng her, aber der ist wohl nicht für Männer dieses Formats gebaut, zumindest nicht für 18 auf einmal.

"Lagerkoller? Keine Spur", sagt Urs Käufer lachend: "Wir halten es hier gut aus. Am Abend sind wir sowieso meistens zu müde, groß was zu unternehmen. Mal ein bisschen Billard, und Spielkonsolen haben wir auch, ganz wie die Fußballer." Und vor allem die Verpflegung stimmt, was nicht zu übersehen ist: Auf keinem Teller liegen weniger als drei Stück Fleisch, ein Schlag Bohnen, mehrere Knödel und dick Soße drüber. Es gilt schließlich bei intensivem Training das Kampfgewicht zu halten. „Bon appetit", wünscht der französische Koch.

Die Stimmung ist vor allem deshalb gut, weil die Chemie zwischen den Athleten, die hier für die Olympischen Spiele schwitzen, stimmt. Aus den Vierer-Konkurrenten der ersten beiden Weltcups, als Käufer mit Filip Adamski, Gregor Hauffe und Toni Seifert noch gegen die Hälfte der jetzigen Achter-Crew ums Olympia-Ticket kämpfen mussten, sind wieder Freunde geworden. „Psychologisch war das eine sehr schwierige Situation für uns", sagt der 23-jährigen Ulmer: „Da hat es stimmungsmäßig schon Einbrüche gegeben." Gemeinsam hätten sie für einen Umbruch gekämpft, verrät der Radolfzeller Kristof Wilke: "Wir hatten uns vor der Sitzung damals getroffen und waren bereit, für unsere Position einzustehen." Soweit musste es nicht kommen. Der Leistungssport-Ausschuss entschied im Sinne derer, die jetzt in Breisach zusammen sind.

Jetzt ist alles gut, sogar das Wetter. Meistens jedenfalls. Aber ausgerechnet beim offiziellen Foto-Shooting machte sich eine Gewitterfront über dem Rhein breit. Pudelnass kehrten die Ruderer nach wenigen Minuten auf dem Wasser zurück ins Bootshaus. Ein kurzes Schütteln, Käufer grinst, während ihm das Wasser von der Nase tropft: "So ist das eben mit dem Freiluftsport." Der Rest des Trainings wird im Fitnessstudio absolviert.

Christian Viedt stellt sich währenddessen seiner neuen Aufgabe. Als Achter-Coach steht der, zweite Ulmer der olympischen Crew im Mittelpunkt des Interesses: „Natürlich hat sich die Situation für mich geändert. Mit den Jungs arbeite ich zwar schon lange zusammen, aber das Interesse am Achter ist natürlich ungleich größer als am Vierer oder Zweier." Viedt steht für den Generationenwechsel, für eine andere Philosophie als Dieter Grahn. Während der alte Coach an seiner erfolgreichen Mannschaft festhielt, es zuließ, dass dieser Kreis keinem anderen eine Chance gab, fördert Viedt den kontinuierlichen Einbau der Jugend: „Die Entscheidungen sollen auf dem Wasser getroffen werden, in der direkten Auseinandersetzung der Sportler, und so wenig wie möglich am grünen Tisch."

Der Wandel vom Assistenz- zum Chefcoach kam über Nacht, im Alltag ist er nicht so leicht zu vollziehen: "Der Chef ist natürlich eher der Böse, der Assistent der kumpelhafte Typ. Das kann ich jetzt ja nicht schlagartig ändern", sagt Viedt. Und die heue Verpflichtung bringt es auch mit sich, dass die Familie ihn noch weniger sieht: "Frau und Kinder sind gerade in Ulm. Aber das sind von hier auch gut, dreieinhalb Stunden zu fahren."

"Langsam wird es hart. Aber wir sind bis jetzt gut durchgekommen, besser als die letzten Jahre", sagt Käufer, denn in Breisach wird vor allem an der Physis gearbeitet. "Wir haben das Krafttraining noch mal umgestellt, setzen andere Reize." 87 Kilo stehen auf seiner Pflichtenliste, kontrolliert wird morgens um halb sieben. Nur ja nicht drunter kommen unter das Kampfgewicht, lautet die Devise.

Morgen geht es für die gesamte Crew zur Einkleidung, am kommenden Dienstag werden sie offiziell nominiert. Am 30. Juli hebt dann das Flugzeug in Frankfurt ab, und am 9. August wird es olympisch ernst für den Vierer ohne Steuermann im Sunyi Ruderpark von Peking.


Südwest Presse Ulm vom 30.6.2008:

Die starke Frau am Steuer

Sophie Steinle führt den Junioren-Achter zum Sieg - Männer mit Rückstand

Sophie Steinle ist eine zierliche 16-Jährige, und nach ihrer Pfeife tanzen jüngere Jungs genauso wie 56-jährige Mannsbilder. Denn wenn die großen Ulmer Boote die Donau runterjagen, sitzt sie am Steuer.

UTE GALLBRONNER

Wenn sie spricht, muss die Mannschaft still sein. Sophie Steinle steuert die Großboote in Ulm und für den Landesverband. Foto: Oliver Schulz

Ein wenig Ruhe war an den Ufern der Donau eingekehrt, als die Drachenboote gestern ihre Wettkämpfe beendet hatten. Die Regatta-Strecke gehörte wieder ganz den Ruderern. Aufgerufen war der Doppel-Vierer der B-Juniorinnen. Schon als die Boote die Zwischenzeit passierten, waren unten im Ziel laute Schreie zu vernehmen. Es war Steuermann Robert Reinelt, der Victoria Jeffries, Pia Patzwald, Barbara Peitz und Anika Schwarz dem Ziel entgegen brüllte.

"Der Steuermann muss seine Mannschaft im Griff haben", erklärt Trainer Björn Gehrmann die Anforderungen an den Mann, der entweder im Bug liegt oder im Heck sitzt und mit einem Seil steuert, das rund ums Boot verläuft. Beim Ulmer Ruderclub Donau (URCD) ist der gefragteste Steuermann eine Frau: Sophie Steinle, die auch der Landesverband schon entdeckt hat. Die Junioren im Achter und Vierer hören auf ihr Kommando.

"Wenn ich rede, haben die anderen still zu sein", sagt die 16-Jährige, was übrigens nicht nur für ihre gleichaltrigen Kollegen gilt, sondern genauso für reife Herren jenseits der 50. "Die tun schon, was ich sage", meint sie mit Blick auf den URCD-Achter.

Aber das nutzte am Wochenende auch nichts, zweimal blieb dem Flaggschiff nur der letzte Platz. Schlagmann Patrick Ganghof, mit seinen 17 Jahren nicht mal halb so alt wie der zweitjüngste im Boot, war ziemlich sauer nach der Zieldurchfahrt. Bis zu den Landesmeisterschaften in drei Wochen bleibt noch viel Arbeit.

Sophie Steinle hat sich inzwischen ganz aufs Steuern verlegt, rudert selbst nicht mehr. "Ich bin auch so ausgelastet", sagt die Zehntklässlerin lachend. Vor den Rennen bespricht sie mit dem Coach die Taktik: "Im Boot ersetze ich den Trainer", erklärt die 16-Jährige. Anfeuern, die Konkurrenz im Blick behalten, Zwischensprints ansagen, all das gehört zu ihren Aufgaben: "Und vor allem braucht man viel Gefühl. Als Steuerfrau musst du das Wasser spüren können." Bei großen Siegen bekommen die Steuerleute das Wasser direkt zu spüren - dann werden sie von ihrer Crew meistens ins Wasser geschmissen.

Der Ulmer Junioren-Achter nach vollbracher Arbeit auf der Donau. Foto: Oliver Schulz

Sophie Steinle hat ihren Platz im Achter sicher. An der übrigen Besetzung des Junioren-Boots für die Landesmeisterschaften basteln die Trainer noch. "Wir sind seit langem mal wieder in der glücklichen Lage, dass wir mehr Ruderer als Rollsitze haben", sagt Gehrmann. Nur Carsten Lormes ist angesichts seiner vielen guten Leistungen gesetzt. Der Rest wird ausgefahren, im direkten Duell oder im Ergometer-Vergleich. Die Junioren-Vierer treten in der kommenden Woche gegeneinander an: "Wer gewinnt, bildet den Stamm. Um die restlichen drei Plätze schlagen sich acht B-Junioren."

Es ist immer wieder ein Puzzlespiel für die Trainer, eine optimale Besatzung für das Flaggschiff zu basteln. Es gilt diejenigen zu finden, die gut zusammenpassen. "Der Achter ist die schnellste Bootsklasse und erfordert schon deshalb eine sehr gute Technik. Alle Bewegungen müssen viel schneller ausgeführt werden und trotzdem gleichmäßig", erklärt Gehrmann. Eine Frequenz von 36 Schlägen pro Minute fordert der Coach mindestens, auf den kürzeren Strecken wie beim Donau-Cup sollten es schon 40 sein.

Daran wird nun in den kommenden drei Wochen bis zu den Landesmeisterschaften verschärft gearbeitet. Denn in Breisach wollen die Junioren siegen, wie schon am Samstag daheim. Sophie Steinle wird ihren Part leisten - und dann vielleicht baden gehen.


Südwest Presse Ulm vom 30.6.2008:

Die Drachen lassens krachen

Donau-Cup am Wochenende vereint Sport und Spaß auf und am Fluss

Der Donau-Cup ist ein sportlich-spaßiges Volksfest in und am Fluss in der Friedrichsau. Am Wochenende haben insbesondere die Läufe der über 60 Drachenboot-Teams wieder viel Publikum angezogen.

VERENA SCHÜHLY

Angefeuert von den Trommelschlägen und Schreien der Trommler kämpfen sich die Drachenboot-Teams über die 250 Meter lange Strecke. Foto: Oliver Schulz

Ulm

Zu den rhythmischen Trommelschlägen tauchen jeweils die 16 Paddel synchron ein. Gleichmäßig werden sie durch das Wasser gezogen, angehoben, um etwas weiter wieder die Oberfläche zu durchstechen. Alles geschieht mit bedächtiger Ruhe - noch hat das Rennen nicht begonnen. Die vier Drachenboote nehmen ihre Startpositionen ein. Hochkonzentriert sitzen die 16 schwarz gekleideten Männer der Peri-Gorillas jeweils zu zweit nebeneinander in dem 12,50 Meter langen Boot. Die ärmellosen Shirts und dunklen Sonnenbrillen geben dem Team der Weißenhorner Firma ein etwas martialisches Aussehen. An mehreren muskulösen Oberarmen prangen Tätowierungen.

Kaum ist das Startsignal gegeben, bewegen sich die Paddel wie im Zeitraffer präzise zu den Trommelschlägen, wobei der Trommler und manche Paddler im Rhythmus mitbrüllen, um sich selbst anzufeuern. Wasser spritzt, und nach kurzer Zeit haben die Gorillas eine Bootslänge Vorsprung herausgearbeitet. Mit rund 100 Paddelschlägen in etwas über einer Minute sprinten sie dem Sieg dieses Vorlaufs auf der 250 Meter langen Strecke entgegen. "Das Finale ist unser Ziel", verkündet Stephan Zohner. Dazu ertönt der Schlachtruf: "Peri-Drachen lassens krachen!"

Neun Männer-, acht Frauen- und 44 gemischte Freizeitteams sind am Samstag mit Drachenbooten um die Wette gepaddelt. Der Ulmer-Ruderclub Donau (URCD) mischt bei seinem Donau-Cup zwei Wettbewerbe: eine klassische Ruderregatta (der Ruder-Cup, siehe Bericht im Lokalsport) mit dem Drachen-Cup der Freizeitteams, die Betriebe, Vereine oder sonstige Gruppen der Region stellen. "Die Mischung hat sich bewährt", sagt URCD-Vorsitzender Andreas Huber. Die Drachenboot-Rennen bringen den sonst eher ruhigen Ruder-Wettbewerben viel Publikum, und die Freizeitsportler schätzen die sportliche Wettkampf-Atmosphäre. Dabei bleibt natürlich der große Unterschied: Rudern tut man rückwärts und paddeln vorwärts. Aber außerhalb des Wassers ist das egal - und gefeiert wird gemeinsam zum Abschluss der Renntage im Festzelt in der Friedrichsau.

Die im Vorlauf siegreichen Peri-Gorillas recken wahlweise die geballten Fäuste oder die Paddel gen Himmel. Dann geht es zurück zur Ausstiegsstelle, wo sie das Boot an das nächste wartende Team übergeben.

Die gemischten Mannschaften machen drei Vorläufe, die reinen Männer- und Frauenteams zwei. Die Zeiten werden addiert, und jeweils die vier schnellsten Teams kommen ins Finale. Die schwarz gekleideten Weißenhorner haben mit dem zweiten Sieg also ihr Ziel erreicht. Das Team um Stephan Zohner hat in den letzten zehn Wochen acht Mal trainiert - jeweils sonntagmorgens um 10 Uhr. Das Boot stellt dabei der URCD, ebenso einen Steuermann und den Trainer, der die richtige Paddel-Technik erklärt. Bezahlt wird das von der Firma, die Paddler beteiligen sich mit kleinen Unkostenbeiträgen. Andere Firmen in der Region halten das genauso und unterstützen eines oder auch mehrere eigene Teams.

Das Gemeinschaftserlebnis schweißt die Leute zusammen, wovon wiederum das Unternehmen profitiert. Manchmal entstehen dadurch auch neue Kommunikationskanäle. "Wir von der Produktion haben sonst mit denen aus dem Büro wenig zu tun", berichtet Zohner. Peri stellt drei Teams: Außer den Gorillas das Dragon Boat Team I und die Dragon Girls.

Die Gorillas bahnen sich ihren Weg durch die am Ufer stehenden und auf Decken liegenden Zuschauer zu ihrem Stand. Unter den Sonnenschirmen mit dem Firmenlogo kreist eine Sonnencremeflasche mit Sprühaufsatz. Begeistert sprühen sich die Männer den bläulichen Schaum gegenseitig auf. Der feste Gorilla-Stamm sind zehn Leute, die restlichen kommen jedes Jahr neu dazu. Fünf Mal haben die Männer schon am Drachen-Cup teilgenommen und 2005 den Pokal eingefahren. Daher war es Pflicht, heuer ins Finale zu kommen.

Die Stimmung ist locker, trotz der sportlichen Ambitionen. Stephan Zohner: "Selbst wenn wir nicht gewinnen - beim Feiern schlägt uns keiner!" Denn beim Auftakt des Donau-Cups am Freitagabend haben die Weißenhorner mit ihrem Beitrag zur Drachen-Show den ersten Platz abgeräumt. Alle drei Peri-Teams hatten das Wettkampf-Wetter beschwört, wobei die Mädels das schlechte Wetter übernommen hatten und die Männer das gute. Mit Erfolg - auch wenn der engagierte Auftritt einem Mitglied des Gorilla-Teams drei gebrochene Zehen brachte. "Wir haben das Festzelt zum Beben gebracht."


Neu-Ulmer Zeitung vom 30.6.2008:

Die Junioren rudern auf das Podest 

Donau-Cup: Der Ulmer Achter fährt nur hinterher. Die Fußball-EM ist für viele Zuschauer und sogar Aktive wichtiger

DUJA

Ulm

Die jungen Ruderer heimsten für den veranstaltenden Ulmer Ruder-Club (URCD) beim Donau-Cup die Podestplätze ein. Von den Senioren war hingegen nicht viel zu sehen. Bei tropischen Temperaturen wurden die Teilnehmer nicht nur beim Kentern nass, sondern kamen auch ganz ordentlich ins Schwitzen.

Andreas Huber, der Vorsitzende des Ulmer Ruder-Clubs, hatte schon vorher geahnt, dass das Publikumsinteresse sich in Grenzen halten würde: Selbst von unseren Aktiven waren wegen der Fußball-EM weniger da. Dennoch war der 20. Donau-Cup wieder eine rundum gelungene Veranstaltung. Wir haben viele Ideen fürs nächste Jahr gesammelt, sagte auch Huber sehr zufrieden.

Mit Kerstin Hartmann startete eine Ulmerin im Einer und Zweier, die fast noch den Sprung zur U23-Weltmeisterschaft in Brandenburg geschafft hätte. Nach dem Abiturstress verzichtete sie aber auf die Rolle der Ersatzfrau und erholt sich lieber zu Hause von den Strapazen. Im Einer musste sich Hartmann ihrer Zweier-Partnerin und größten Konkurrentin Sandra Luptowitsch (Esslingen) über 250 Meter geschlagen geben. Im Zweier über 500 Meter siegten die Beiden dann souverän. Eva Nitschke, die Mutter des Ulmer Olympioniken Urs Käufer, schwärmte hinterher: Das war technisch einwandfreies und sauberes Rudern.

Die Anfänger dagegen kamen am Samstag schon mal aus dem Takt oder kenterten. Aber das war kein Problem, denn letztlich soll diese Veranstaltung ja gerade die Neulinge an den Rudersport heranführen.

In der Königsdisziplin, dem Achter, konnten sich bei den Junioren die Ulmer in beiden Läufen über die 250 und 500 Meter vor ihrer Konkurrenz aus Rheinfelden ins Ziel retten. Die Ulmer Männer dagegen belegten über 250 Meter als Vierter den letzten Platz. Über 500 Meter sollte eigentlich alles besser werden, doch kamen sie als Dritter in ihrem Lauf wieder nur auf den letzten Platz. Der Regattaleiter Jörg Haußer schwärmte dennoch: Es sieht schon super aus, wenn ein komplettes Achterfeld die Donau daher kommt.

Für Ulmer Erfolge über die 500 Meter sorgte der Nachwuchs. Im Einer gewannen die B-Junioren Christian Schwaderer, Constantin Grimminger und Michael Nemmer ihre Rennen. Im Einer der A-Juniorinnen konnte Anne Köhler für den URCD als Siegerin jubeln. Auch die Jungen vom URCD hatten Anlass zur Freude: Im Zweier holten sich Max Huber und Lucas Schwarz souverän den ersten Rang. Theresa Hanke und Claudia Reinelt sicherten sich im Zweier der A-Juniorinnen den Platz an der Sonne. Die interne Meisterschaft der A-Junioren des URCD im Zweier gewannen Patrick Ganghof und Paul Lutz.

Der Spaßfaktor kam auch nicht zu kurz. Bei den vielen Rennen der Drachenboote wurden vor allem auch die Laien unter den Zuschauern bestens unterhalten. Schwabenpower paddelte zum Sieg im Drachen-Cup und das Sophie-Scholl-Gymnasium triumphierte im Schüler-Cup.


Neu-Ulmer Zeitung vom 30.6.2008:

Teamgeist und Taktgefühl waren auf der Donau gefragt 

Drachen-Cup: Tausende Besucher verfolgten das Spektakel

THOMAS KEMPF

Ulm

Der 20. Donau-Cup als fester Bestandteil des sommerlichen Veranstaltungsprogrammes in Ulm lockte am Wochenende wieder Tausende von Zuschauern an das Donauufer. Bei hoch sommerlichem Wetter wechselten sich Drachenbootläufe und Ruderrennen ab, nachdem am Freitagabend das vom Ulmer Ruderclub Donau e. V. organisierte Event mit einem Jubiläumsfassanstich von Ulrike Freund, Geschäftsführerin der Brauerei Gold Ochsen, und Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner eröffnet wurde.

Die Drachenbootmannschaften präsentierten am Freitagabend nach dem Abschlusstraining ihre selbst angefertigten Drachenköpfe, die Schlachtrufe und Outfits, umrahmt von professionellen Showeinlagen und fetzigen Sounds. Auf der Welcome-Party wurde anschließend bis nach Mitternacht ausgiebig gefeiert.

Um 8 Uhr fiel am Samstag der Startschuss für die Vorläufe der Drachenbootrennen, Schlachtrufe wie Hopfen und Malz, Gott erhalt s, Vollgas! oder In der Birne sind wir helle und auf der Donau sind wir schnelle! tönten über die Donau, die Teams schworen sich auf ihre Rennen durch Anfeuerungsrufe ein.

Bei Drachenbootrennen kommt es nicht nur auf Kraft und Geschick, sondern vor allem auf Teamgeist, Takt- und Rhythmusgefühl im Team an. Jeweils vier Drachenboote kämpften in einem Lauf gegeneinander, insgesamt waren 71 Drachenteams gemeldet, die am Wochenende die Wettkämpfe ausgetragen haben. Jede Mannschaft besteht dabei aus 16 Paddlern und einem Trommler, der im Bug sitzend mit kraftvollem Trommeln den Takt für die Paddelschläge ins Wasser angibt. Ein Steuermann steht im Heck des etwa zwölf Meter langen Bootes und hält mit einem Langruder den Kurs.

Die Renndistanz hat für die Männer-, Frauen- und Mixedteams am Samstag 250 Meter betragen. Gestern ging es für die gemischten Mannschaften und Schülerteams über 250, 500 und 2000 Meter Streckenlänge zur Sache. Neu-Ulms OB Gerold Noerenberg gab im Neu-Ulmer Boot beim Städterennen am Sonntag den Takt an. Am Vormittag sicherten sich viele Besucher ein schattiges Plätzchen unter den Uferbäumen, teils ausgestattet mit Liege, Kühlbox und Speisen, um nichts zu verpassen.

Rechtzeitig zu den Finalläufen ab 18 Uhr hat es Pia Körner mit Tochter Linda geschafft: Wir haben den ganzen Tag beim Kinderflohmarkt auf dem Ulmer Volksfestplatz unsere Sachen verkauft. Die Finalrennen sind sehr spannend, alle Teams sind ziemlich gleichauf.

Um 19 Uhr fand im Festzelt die Ehrung der Sieger statt, den Pokal an die Tagessieger überreichte Andreas Huber, 1. Vorsitzender des Ulmer Ruderclubs. Danach wurde, begleitet von Teamspielen und Wettbewerben, der Tag ausgiebig mit viel Musik und in bester Laune gefeiert. Folgende Gewinnerteams wurden am Samstag geehrt: Gruppe B Frauen: 1. Zeppelinos, 2. Peri Dragon Girls, 3. Frauenpower. Gruppe A Männer: 1. Schwabenpower, 2. Drachenjäger, 3. Peri. Gruppe C Mixed: 1. BWK medical Express, 2. SETRAchen 1, 3. Zeppelinos.


Sonntag Aktuell Ausgabe Ulm vom 30.6.2008:

Die kleinen Geschwister kommen

Ruder-Cup: Buntes Feld von Masters bis zu 13-jährigen Anfängern

Mit mehr als 40 Aktiven war der Ulmer Ruder-Club Donau gestern beim Donau-Cup auf dem Wasser. Der Rest schwitzte auf dem Trockenen, sprich in den Verkaufszelten.

UTE GALLBRONNER

Nachwuchstrainer Björn Gehrmann nahm sich gestern erst einmal den Männer-Achter zur Brust. Die größtenteils älteren Herren um Ulrich Steinacker (52) hätten zwar sehr eifrig trainiert, rudertechnisch seien sie doch "etwas festgefahren", stellte der Coach fest. Das Resultat: Platz vier von vier Booten. Die Höflichkeit des Gastgebers, könnte man sagen, doch die Männer sinnen auf Revanche.

Heute geht es über die doppelt so langen 500 Meter und ein weiterer Konkurrent kommt hinzu. Das Spektakel ist also garantiert, und der URCD-Achter hofft, seine konditionellen Vorteile heute auch in Vortrieb umsetzen zu können.

Besser machten es gestern übrigens die Junioren, die sich in ihrem Rennen durchsetzten. Aber auch hier gebe es rudertechnisch noch viel Arbeit, wie das kritische Auge von Trainer Gehrmann zielsicher erkannt hat. Der Donau-Cup gehört ja traditionell vor allem dem Nachwuchs. Hier fahren viele ihre ersten Rennen, einige stranden am Ufer, kommen völlig aus dem Takt oder kentern gar. Andere starten dagegen gleich voll durch wie Georg Lutz und Robert Reinelt, die gestern bei ihrem ersten Start sofort den ersten Sieg feierten. Der Jubel fiel entsprechend aus. Gleiches gelanf Kim Hartmann und Lena Lind bei den 14-jährigen Mädchen.

Lutz, Reinelt, Hartmann - alles Namen, die man irgendwo schon mal gehört hat. Die drei haben nämlich eins gemeinsam: sie folgten ihren älteren Geschwistern zum URCD. Das Kann sich der Klub durchaus als Beweis für eine gute Jugendarbeit ans Bootshaus heften - neben den vielen Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene.

Aber auch wenn es noch nicht gleich so rund läuft bei der ersten Regatta, ist das kein Grund aufzugeben. Bestes Beispiel sind die gestern erfolgreichen B-Juniorinnen. Pia Patzwaldt und Vera Butscher kenterten beispielsweise im vergangenen Jahr, dieses Mal siegte Pia mit Barbara Peitz im Zweier vor Vera und ihrer Partnerin Ulrike Schmiedel. Zudem wird beim URCD ein neuer Doppelvierer aufgebaut. Hier setzte sich das Quartett mit Schlagfrau Anika Schwarz, Victoria Jeffries, Barbara Peitz und Pia Patzwald durch.

Der Mädchen-Nachwuchs stimmt also hoffnungsfroh, und der Erfolg hat einen Namen: Viola Pfersich, sie betreut ehrenamtlich neben der Schule die 13- und 14-jährigen jungen Damen. "Pia, Kim, Vera - sie kommen alle aus ihrer Hand", lobte Gehrmann seine Übungsleiterin. Denn mit Kindern zu rudern birgt auch eine ziemliche Verantwortung.

Bei den Älteren gab es keine großen Überraschungen. Kerstin Hartmann und Sandra Luptowitsch (Esslingen) setzten sich im Frauen-Zweier durch, allein im Boot war die Ulmerin die schnellere. Melina Reichardt/Anne Köhler lagen im Doppelzweier vorn, Claudia Reinelt/Theresa Hanke in der leichten Konkurrenz. Auch A-Junior Carsten Lormes präsentierte sich gewohnt souverän. Heute um 10 Uhr geht es weiter auf der Donau mit dem Ruder-Cup. Laut Wetterbericht wieder mit Sonnenschein.


Südwest Presse Ulm vom 27.6.2008:

Nachwuchs gibt den Takt an

Donau-Cup: Ruderspektakel mit so vielen Achtern wie lange nicht mehr

Donau-Cup, die 20. Auflage. Bereits heute Abend starten die Drachenboote, morgen früh lassen dann die Ruderer ihre Gefährte zu Wasser.

UTE GALLBRONNER

Ein Leistungstest für die einen, Erholungstripp für die anderen und für die nächsten purer Spaß: Der Rudercup ist für Sportler und Besucher ein Magnet. Archivfoto

Einst war er eine klassische Regatta, der Ruder-Cup. Seit 20 Jahren schon werden auf der Donau Sieger gesucht. Morgen von 10 Uhr an auf der 250-Meter-Strecke, am Sonntag (9 Uhr ) geht es doppelt so lange den Fluss hinunter. Vor allem für den Nachwuchs ist es eine Chance sich zu zeigen. Manch einer, der später zu den Olympischen Spielen gefahren ist, hat beim Ruder-Cup seine ersten Meriten gesammelt.

Der frischeste Olympionike in den Reihen des Ulmer Ruderclubs Donau heißt Urs Käufer. Am Mittwoch Abend wurde er offiziell vom deutschen Verband für Peking vorgeschlagen. Heute ist er schon auf dem Weg ins Trainingslager nach Breisach, wo einen Monat lang an der Form für China gefeilt wird.

Ähnliches gilt für Max Reinelt. In Ratzeburg beginnt die Vorbereitung auf die U-23-WM, die Mitte Juli in Brandenburg über die Bühne geht. Beinahe wäre der Ulmer sogar noch als Ersatzmann ins Olympiateam gerutscht. Dann entschied sich Bundestrainer Christian Viedt aber doch für Marco Neumann (Magdeburg) und Richard Schmidt (Trier), die mit Reinelt zusammen im U-23-Achter sitzen.

Nicht mit nach Brandenburg fährt Kerstin Hartmann. Als Ersatzfrau hätte sie anreisen dürfen, aber das wollte sich die 19-Jährige nicht antun. Stattdessen erholt sie sich daheim vom Stress des Abi-Jahres - und greift beim Ruder-Cup im Frauen-Einer an. Größte Konkurrentin dürfte ihre Zweier-Partnerin Sandra Luptowitsch (Esslingen) sein.

Claudia Reinelt und Teresa Hanke gelten ebenfalls als heiße Sieg-Kandidatinnen aus den eigenen Reihen, und auch die Ulmer Junioren in den großen Booten wollen punkten. Am Sonntag um 13.45 Uhr gibt es wohl das größte Schauspiel, wenn fünf Achter den Fluss zum Schäumen bringen werden. So viele Großboote waren seit langem nicht mehr im Wettbewerb. Sie könnten den Drachenboot-Fahrern Konkurrenz machen.

Apropos Drachen-Cup: Seit die ehrgeizigen Hobby-Paddler ihre Rennen austragen, hat der Zuschauer-Zuspruch enorm zugenommen. Seitdem heißt der Ruder-Cup auch Donau-Cup und ist von einem sportlichen Wettkampf zu einem Event geworden. Dass auch viele Paddel-Crews längst sportliche Leistungen bringen. Daran ist, bei allem Spaß, kein Zweifel.


Südwest Presse Ulm vom 23.6.2008:

In Posen reifen die olympischen Träume

Käufer-Quartett bei Gegenwind Vierter

Auf dem vierten Platz hat der deutsche Vierer ohne Steuermann den Ruder-Weltcup in Posen beendet. Nun kann sich Urs Käufer mit seinen Kollegen voll auf die Olympischen Spiele in Peking konzentrieren.

UWE

Filip Adamski (rechts) und Urs Käufer waren auf dem polnischen Maltasee durchaus gut gelaunt. Foto: Hansjörg Käufer

Gegenwind am Maltasee hat den deutschen Ruder-Vierer ohne Steuermann in Posen vom Weltcup-Podest geweht. Der Wind blies natürlich allen Besatzungen ins Gesicht, doch Urs Käufer, Filip Adamski, Toni Seifert und Gregor Hauffe machen derartige Verhältnissen bekanntlich besonders zu schaffen. Deshalb wars dieses Mal nichts mit dem allseits gefürchteten Endspurt.

So setzten sich die Niederlande vor Großbritannien, den überraschend starken Slowenen und dem deutschen Quartett durch, das knapp eine Länge hinter dem Führungstrio ankam. Der Vierer kann davon ausgehen, dass er in dieser Besetzung nach Peking fährt, heißt es in der Mitteilung des Ruder-Leistungszentrums Dortmund.

Gleich im Anschluss ans Rennen, gabs die ersten Analysen, und die fielen nicht schlecht aus. "Heute sind wir die ersten 1000 Meter so gut wie noch nie gerudert", stellte Käufer fest. Tatsächlich lag er mit seiner Crew nicht auf dem letzten Platz, was sonst schon fast der Stammplatz zum Auftakt ist.

Die Holländer voraus, Neuseeland hintendrein und der Rest des Feldes gleichauf. So ging es auf die zweite Streckenhälfte. Bei 1100 Metern legte Adamski einen Zwischenspurt ein, doch er hatte die Rechnung ohne den Gegenwind gemacht. "Wir sind zwar herangekommen, aber es hat zu viel Kraft gekostet", sagte Käufer. Jedenfalls setzte sich das Trio vorn in der Folge leicht ab. Die Deutschen hatten alle Hände voll zu tun, um Weltmeister Neuseeländer in Schach zu halten. Das gelang schließlich knapp.

"Die neue Taktik war gar nicht schlecht. Aber die dritten 500 Meter haben mir gar nicht gefallen", urteilte Achter-Chefcoach Christian Viedt. Wobei der langjährige Trainer des Ulmer Ruderclubs Donau die Extrem-Belastung aus dem Vorlauf, den Adamski und Co. mit einer Energieleistung im Endspurt gewonnen hatten, als mögliche Erklärung sah. "Der Ausbrenner vom Vorlauf hat wohl kräftemäßig eine Rolle gespielt", meinte Viedt.

Bootstrainer Ralf Müller sah es ähnlich. "Wir müssen an den dritten 500 Metern noch arbeiten. Insgesamt bin ich aber mit dem Rennen zufrieden", urteilte der Leverkusener. Zumindest sei seine Crew bei Gegenwind mal mitgerudert, statt zurückzufallen.

Vom 27. Juni an schlagen die Ruderer nun ihre Zelte in Breisach auf: Fitmachen für die Olympischen Spiele ist das einzige, was bis zum 27. Juli zählt. "Wir sind zuversichtlich und voll motiviert", sagt Käufer. Über die Saison hinweg hat das Quartett jedenfalls eine stabilen Leistung gezeigt, die in der Weltcup-Endabrechnung den dritten Platz hinter Großbritannien und den Niederlanden einbrachte.

Sechster in München, Fünfter auf dem Luzerner Rotsee , Vierter jetzt in Posen - das war die Serie des deutschen Quartetts in den wichtigsten Regatten. "Da ist ja dann klar, was als Nächstes kommt", meint Käufer mit Augenzwinkern. Müller sieht das Boot in "Lauerstellung", weiß aber auch, dass noch einiges zu tun ist, bis zum Abflug nach China.

Die vier Sportler träumen jetzt von einer olympischen Medaille in Peking, und sie träumen von Schiebewind im Shunyi Park vor den Toren der chinesischen Hauptstadt. Denn sollte der tatsächlich blasen, dann ist dem Quartett um Schlagmann Adamski einiges zuzutrauen. Aber bis dahin wird noch viel Wasser die Donau runter fließen - und viel Schweiß in Breisach. 


Südwest Presse Ulm vom 21.6.2008:

Die Rakete zündet wieder

Deutscher Vierer stürmt mit grandiosem Endspurt ins Finale und nach Peking

Urs Käufer und seine Vierer-Kollegen sind beim Weltcup-Finale im polnischen Posen direkt in den Endlauf gerudert - in einem Herzschlag-Finale.

UWE

Zielfoto-Entscheid nach 2000 Metern: Der deutsche Vierer mit Urs Käufer (oben) hat die Bugspitze vor den Tschechen. Foto: AP

Knapper hätte es nicht ausgehen können. Die Jury beim Weltcup-Finale der Ruderer in Posen musste schon das Zielfoto bemühen, um das deutsche Quartett als Sieger des zweiten Vorlaufs auszumachen. Bei 1500 Metern lagen sie noch knapp vier Sekunden hinter den führenden Tschechen auf Rang vier. Doch dann setzte Filip Adamski den gefürchteten Endspurt des Quartetts an. Das Boot schoss erst an den Slowenen, dann an den Niederländern vorbei und schloss Zug um Zug zu den starken Tschechen auf.

Adamski, Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe (Leverkusen) legten sich voll in die Riemen, wobei ihnen der Schiebewind am Maltasee zu Hilfe kam. Diese Bedingungen mögen die Vier eindeutig am liebsten. Am Ende wusste keiner der Athleten, welche Bootsspitze denn die Ziel-Hupe als Erstes ausgelöst hatte. Eine Hundertstel-Sekunde entschied bei einer Gesamtzeit von 5:47,97 Minuten schließlich für die Deutschen. Die Tschechen müssen nun am heutigen Samstag den Umweg über den Hoffnungslauf gehen. Im zweiten Vorlauf qualifizierte sich Großbritannien fürs Finale.

"Dieses Mal haben die Vier die Rakete rechtzeitig gezündet und ein tolles Rennen geliefert. Da kommt dann das notwendige Glück dazu, wenn es um Zentimeter geht", sagte Sportdirektor Michael Müller. Trainer Ralf Müller stellte fest: "Das Boot ist super gelaufen." Mit dem Sprung ins Finale kann Urs Käufer seine Koffer für Peking packen. Die Endlauf-Chance ist nachgewiesen, einer Olympia-Nominierung steht nichts mehr im Wege.


Südwest Presse Ulm vom 19.6.2008:

Der bärenstarke Hänfling

Ruderer Urs Käufer beim Weltcup-Finale in Posen

Vor zwei Jahren katapultierte sich Urs Käufer mit seinen Vierer-Kollegen in die Weltspitze. Silber bei der WM in Eton. Es folgte ein Durchhänger 2007, aber jetzt gibt der Neu- Ulmer wieder Vollgas.

UTE GALLBRONNER

2006 war er Vize-Weltmeister in Eton, 2008 ist Peking das Ziel: Urs Käufer vom Ulmer Ruderclub Donau. Foto: Caob

Für das renommierte Flaggschiff, den Deutschland-Achter, wurde Urs Käufer als für zu leicht befunden. Mit mageren 85 Kilogramm Gewicht ist er für Ruder-Verhältnisse eben ein Hänfling, ähnlich wie seine Kollegen Filip Adamski, Gregor Hauffe und Toni Seifert. Vor zwei Jahren setzten die Trainer sie zusammen in ein Boot -, und da sitzen sie heute noch und wollen auch nicht mehr raus.

"Ich will in Peking in einem Riemenboot sitzen", das hatte Urs Käufer gesagt, als er im September 2004 nach dem Abitur ans Leistungszentrum nach Dortmund umzog und sich bei der Sportförder-Kompanie der Bundeswehr meldete. Sein Trainer beim Ulmer Ruderclub Donau, Christian Viedt, folgte ihm ein Jahr später. Jetzt stehen beide vor dem Abflug nach China.

Dabei hatte es im vergangenen Jahr gar nicht gut für den 23-Jährigen ausgesehen. Denn auf das überraschende WM-Silber 2006 folgte die Krise. Schlagmann Adamski war lange krank, der junge Mann "mit dem irrsinnigen Gefühl im Arsch" (Zitat Käufer), war nach extremen Belastungen einfach zusammen gebrochen. Doch er bekam das Problem in den Griff, mit Platz neun bei der Heim-WM in München wurde der Startplatz für Peking gesichert.

Den Winter über schuftete Käufer im Kraftraum, auf dem Ergometer und auf Langlauf-Skiern in St. Moritz. Die ersten Tests im Wasser liefen gut, die Kraft-Werte stimmten, und trotzdem gabs ein Problem - die Konkurrenz. Da Achter-Trainer Dieter Grahn sich für seine alten Recken und gegen die nachrückende Generation entschieden hatte, blieb ein starkes Quartett um Schlagmann Mathias Flach übrig. Das forderte Käufer und Co..

Trotz freundschaftlicher Bande waren die acht Männer plötzlich erbitterte Konkurrenten. Eine ungute Situation, mit der sie nicht recht umgehen konnten. Zumal die Boote nahezu gleich schnell waren, sich nur Hundertstel nahmen. Die Plätze fünf und sechs bei den Weltcups standen für Käufer und Co. zu Buche, sie waren mittendrin in der internationen Konkurrenz.

Aber der Showdown in Polen fällt aus, denn Flach und seine Mannen sitzen seit dem 4. Juni im Achter. Dort, wo sie immer hin wollten. Dort, wo Urs Käufer und seine Kollegen nicht hinpassen. Nicht mit ihrem Gewicht und nicht mit ihrer Art zu rudern. Käufer, Hauffe und Seifert sind in der Lage, die manchmal eher unkonventionellen Vorgaben Adamskis aufzunehmen, umzusetzen und mitzugehen. Ihr Schlussspurt auf den letzten 500 Metern der 2000 Meter langen Strecke ist berüchtigt - wenngleich der Überraschungseffekt inzwischen fehlt.

Am Montag benennt der deutsche Ruder-Verband seine Peking-Reisenden. "Wenn sie nicht ganz hinten fahren, dann sind die vier dabei", sagt Viedt. Auch der inzwischen für das Quartett verantwortliche Leverkusener Vereins-Coach Ralf Müller hat daran keine Zweifel: "Sie haben sich in einem dichten Weltklasse-Feld behauptet, in dem zwischen dem ersten und dem zwölften Rang nur eine Bootslänge liegt."

Das will Käufer auch von morgen an in Posen schaffen. "Wir wollen ins Finale", kündigt er selbstbewusst an. Dann könnte er das Ticket nach China  buchen.


Südwest Presse Ulm vom 18.6.2008:

Erbsensuppe auf dem Kanal

Christian Viedt und seine Ruder-Achter vor Bewährungsprobe in Posen

Nach dem Umsturz im Flaggschiff steht für den Ruder-Achter die Bewährungsprobe an. Es ist die einzige vor den Olympischen Spielen. Für Trainer Christian Viedt und seine Jungs steht viel auf dem Spiel.

UTE GALLBRONNER

Achter-Trainer Christian Viedt gibt auf dem Dortmund-Ems-Kanal den Ton an. Foto: Rolf Kosecki

Posen

Sie sind heiß auf den Start in Posen, heiß darauf es den Kritikern zu zeigen. Acht junge Männer und der 40-jährige Soldat Peter Thiede am Steuer wollen den sportlichen Beweis dafür antreten, dass sie zurecht in dem Boot sitzen, auf das die Öffentlichkeit blickt. Der Deutschland-Achter soll am 17. August im Shunyi-Park Edelmetall aus dem Wasser fischen. Am besten Gold.

Am 4. Juni hatte die Trainer-Crew einen Schnitt gemacht, die hochdekorierten Recken um Bernd Heidicker ausgemustert. "Wir sind mit 22 Athleten in die Vorbereitung gestartet, und es war klar, dass nur 14 nach Peking fahren. Irgendwann musste es einige treffen. Das es so läuft, hat aber sicher niemand erwartet", blickt Christian Viedt zurück auf nervenaufreibende und schmerzvolle Tage. Denn auch er hat eine neue Aufgabe: Bundestrainer Dieter Grahn zog sich vom Achter zurück, sein bisheriger Assistent trägt nun die Verantwortung.

Die Entscheidung schlug Wellen, die ausgemusterten Ex-Weltmeister fühlten sich gedemütigt,gelten fehlendes Vertrauen. Von "Vergiftung" schreibt gar der Schlagmann des Olympia-Achters von 1992, Roland Baar, in einem offenen Brief. Nicht nur er kritisierte die Entscheidung, für den Weltcup in Posen nicht beide Boote zu melden, sondern bedingungslos auf die neue Crew zu setzen.

"Wenn wir zwei Achter gemeldet hätten, dann hätten sie sich zerfleischt", stellt Viedt klar: "Und außerdem hatte die andere Crew ihre Chancen. Sie hat sie nicht genutzt." Bei den Weltcups in München war das Flaggschiff hinterher gepaddelt, noch deutlicher in Luzern, als man zehn Sekunden hinter den Kanadiern lag: "Außerdem hätten sie sich bei der internen Zweier-Rangliste beweisen können. Aber da haben sie schlechte individuelle Leistungen abgeliefert."

Viedt hat sich für die vier schnellsten Zweier entschieden, zu denen die Radolfzeller Andreas Penkner und Kristof Wilke gehören. "Es muss nicht immer die einzig richtige Entscheidung sein, allein aufgrund der Zweier zu nominieren. Das Boot muss auch harmonieren", sagt Viedt. Ob das klappt, wusste am Tag der Entscheidung niemand, denn bis dahin hatten die acht um Schlagmann Mattias Flach nie in einem Boot gesessen.

Seither wurde auf dem Ems-Kanal die sportlich Harmonie gesucht, die menschlich längst vorhanden ist. Wer sich vorstellt, dass es ständig im großen Boot den Kanal rauf und runter geht, der irrt. "Das wär ja sonst wie jeden Tag Erbsensuppe", erklärt Viedt, an dem seine Jungs vor allem die ruhige und besonnene Art sowie sein fachliches Wissen schätzen. Viele Alternativen hat der 39-Jährige in der Besetzung freilich nicht mehr.

Eigentlich gelten die Rollsitze als verteilt. Natürlich sind Athleten und Trainer angespannt vor der Abreise nach Polen. Auf dem Maltasee werden alle Augen auf sie gerichtet sein. Die Konkurrenz ist überschaubar, nur die Gastgeber und die starken Briten sind da. "Wir sind angetreten den Abstand im Vergleich zu Luzern zu verringern", sagt Viedt.

Gedanken darüber, was ist, wenn es nicht klappt in Posen, gibt es nicht. Zumindest nicht offiziell. "Ich wurde oft gefragt, was ich dann mache. Joachim Löw würde niemand fragen, was er tut, wenn sein Team drei Spiele verliert", sagt Viedt. Abgerechnet wird ohnehin am 17. August am Chaobai-Fluss.


Südwest Presse Ulm vom 16.6.2008:

Im Land unschlagbar

Max Reinelt sitzt bei der U-23-DM in zwei Siegerbooten

Der Achter der B-Junioren hat sich am Schlusstag der deutschen Nachwuchs-Meisterschaften wacker geschlagen. Herausragend aus Ulmer Sicht war jedoch U-23-Ruderer Max Reinelt mit zwei Titeln.

HJK

Max Reinelt (ganz rechts) holte mit dem deutschen Nachwuchs-Achter den nationalen Titel. Archivfoto

Die Junioren setzten gestern den Schlusspunkt bei den deutschen Meisterschaften in Köln-Fühlingen. Der Verbands-Achter sorgte dabei für einen Lichtblick in einer Ulmer Bilanz, die nicht ganz so glanzvoll war wie in vielen Jahren zuvor. Fürs Finale hatte Trainer Uwe Hallm den nach einer Blinddarmoperation genesenen Urs Humpenöder statt Janis Köster ins Flaggschiff gesetzt. Mit Tim Rupp, Constantin Grimminger und Christian Schwaderer waren drei weitere URCD-Athleten an Bord, dazu Sophie Steinle am Steuer. Während Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen vorn ruderten, lieferte sich das württembergische Boot mit Rheinland-Pfalz einen tollen Zweikampf um Bronze. Im Ziel hatte die Ulmer Crew um 15 Hundertstel das Nachsehen im Kampf um den dritten Platz.

Keine Rolle spielten sowohl der Vierer mit, als auch der Vierer ohne Steuermann. Beide Boote belegten jeweils den sechsten Platz. Bei den A-Juniorinnen ruderten die Leichtgewichte Claudia Reinelt und Teresa Hanke mit den Essenerinnen Alina Terjung und Jaqueline Jozwiak im Doppel-Vierer auf Rang drei. Bis zur Hälfte führte das Quartett, danach zeigte die RG Frankfurt/Mainz/Tübingen sowie die RG Wanne-Eickel/Bramsche/Rauxel/Köln das bessere Stehvermögen. Trotzdem war Schlagfrau Claudia Reinelt zufrieden, zumal sie einige Stunden zuvor mit Teresa Hanke noch knapp fünf Sekunden an Bronze vorbeigerudert war.

Im kleinen Einer Finale feierte Anne Köhler einen Sieg. Carsten Lormes und seine Partner Christoph Herpel aus Heidelberg belegten im Doppelzweier den achten Platz. Bereits am Samstag hatte Claudia Reinelts Bruder Max für die Höhepunkte aus Ulmer Sicht gesorgt. Zwei Starts, zwei Siege - besser gehts nicht. Im Vierer mit Steuermann wie im Achter verfolgten die Hünen um den Ulmer dieselbe Taktik: Nach der Startphase eine Länge vors Feld legen und die bis ins Ziel verteidigen. National, so wurde in Fühlingen deutlich, kann ihnen keine Crew das Wasser reichen. Die wahre Herausforderung für die acht Athleten von Bundestrainer Thomas Affeldt wartet im Juli bei der U-23-WM in Brandenburg.

Ob Kerstin Hartmann ihren Teamkollegen nach Brandenburg begleitet, darüber hat Frauen-Bundestrainer Tobias Rahenkamp noch nicht befunden. Im Achter von Fühlingen saß sie im zweiten Boot und kam auch als zweite an, gut eine Länge hinter den Favoritinnen. Im Zweier hätte sie mit Sandra Luptowisch Punkte für das WM-Ticket sammeln können, doch da erwischten die beiden einen schlechten Tag: Hinter Hannover, der RG Dresden/Ems und den ungeschlagenen Rostockerinnen Sennewald/Drygalla wurden sie Vierte. Ganz daneben ging der Auftritt im Vierer, wo die beiden mit Franziska Kegebein (Ribnitz) und Nora von Gaertner (Bremen) überhaupt keinen Rhythmus fanden und ohne Anschluss ans Feld hinterher ruderten.

Hart ging es im Einer zu. Christoph Peitz hatte es in seinem ersten U-23-Jahr mit 15 starken Skullern zu tun. Von daher ist sein Sieg im kleinen Finale, was Platz sieben in der Gesamtabrechnung bedeutet, eine der positiven Überraschungen im Ulmer Lager. Beeindruckend war sein toller Endspurt, mit dem er den Leipziger Florian Woigk auf den letzten 100 Metern noch den sicher geglaubten Sieg wegschnappte.


Südwest Presse Ulm vom 5.6.2008:

Meuterei im Flaggschiff

Bundestrainer Dieter Grahn entmachtet - Achter komplett umbesetzt

Revolution im deutschen Ruderverband: Riemen-Bundestrainer Dieter Grahn wurde entmachtet und der Achter komplett umbesetzt.

UTE GALLBRONNER

Die Hälfte des neuen Achters: Matthias Flach, Florian Mennigen, Andreas Penkner und Kristof Wilke (von rechts) . Foto: dpa

Dortmund

Gestern Abend kurz nach 18 Uhr kamen Andreas Penkner und Jochen Urban in ihre Dortmunder WG zurück. Müde, aber ansonsten rundum glücklich. "Uns allen ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass die Offiziellen so entschieden haben", sagte Penkner. Der 25-jährige Radolfzeller, der schon 2005 Schlagmann des Deutschland-Achters war, ist zurück im Flaggschiff. Bundestrainer Dieter Grahn, mit dem Penker mehrfach aneinander geraten war, ist entmachtet. Formal bleibt er zwar zuständig für den Riemenbereich, doch den neuen Olympia-Achter, den stellt der Ulmer Christian Viedt zusammen.

Gehen mussten auch die verdienten Achter-Recken um Bernd Heidicker und Sebastian Schulte. Letzterer war völlig konsterniert und forderte den Rücktritt von Sportdirektor Michael Müller. Wenigstens einen Vergleichskampf mit der neuen, im Schnitt sechs Jahre jüngeren Crew beim Weltcup in Posen hatten sich die "Alten" gewünscht, als fairen Leistungsvergleich.

Das Trainer-Gespann um Viedt hat sich bewusst dagegen entschieden. Man setze voll auf die neue Crew und wolle sich nur noch mit der internationalen Konkurrenz messen. Hinter der lag der Deutschland-Achter zuletzt in Luzern weit zurück. Nun haben die Jungen die Chance es besser zu machen.

Nur Jochen Urban (24) und Sebastian Schmidt (23) bleiben im Boot, dazu Steuermann Peter Thiede. Hinzu kommen Matthias Flach (25), Florian Mennigen (26), Florian Eichner (22), Philipp Naruhn (25) und mit dem 23-jährigen Kristof Wilke ein zweiter Mann aus Radolfzell. Viedt setzt auf die Zweier, die bei der nationalen Rangliste am schnellsten waren. Nun gilt es die Kraft umzusetzen und gemeinsam den richtigen Rhythmus zu finden.

39 Jahre ist Viedt erst alt, hat als Trainer beim Ulmer Ruderclub Donau einige Athleten an die Spitze geführt, wie Urs Käufer und dessen Mannheimer Partner Filip Adamski, die 2006 WM-Silber im Vierer holten. Sie profitieren nun ebenfalls von der Entwicklung, denn der von Grahn als Konkurrenzboot aufgebaute Vierer um Penkner steigt komplett um. "Diese Situation ist doch nur entstanden, weil leistungsschwächere Athleten im Achter geparkt wurden", sagt Penkner, der nicht nur mit Urban in einer WG wohnt, sondern auch mit Gregor Haufe aus dem Vierer: "Das war für uns alle natürlich schwierig."

Von Viedt, in der Öffentlichkeit stets zurückhaltend, hält Penkner viel: "Er ist ein hervorragender Trainer. Er vertraut uns, wir vertrauen ihm. Das ist die richtige Basis." Er spricht damit fürs ganze Team: "Die Stimmung ist gut. Wir werden uns reinhauen." 65 Tage haben sie noch bis zu den Olympischen Spielen.


Südwest Presse Ulm vom 5.6.2008:

Vereine - Ulmer Ruderclub Donau

Ulm. Die Junioren des Ulmer Ruderclubs Donau (URCD) haben vor kurzem ein Trainingslager im kroatischen Vukovar absolviert. Zwischen beiden Städten und auch den Rudervereinen bestehen seit Jahren enge freundschaftliche Verbindungen, weil die Ulmer beim Aufbau der im Balkankrieg zerstörten Donaustadt in vielfältiger Weise geholfen haben. Der Fluss ist in Vukovar - rund 1000 Kilometer flussabwärts von Ulm - etwa 500 Meter breit, und die vier Ruderinnen und sieben Ruderer hatten sich das Ziel gesetzt, während ihres Trainings die Donau um Vukovar herum zu erkunden. Auf diese Weise hat der URCD-Nachwuchs schätzungsweise 250 Flusskilometer abgerudert. 

"Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt", motivierte Trainer Björn Gehrmann die Gruppe. Außerdem gab es gemeinsame Übungseinheiten im Achter mit den Jungruderern aus Vukovar, Besichtigungen in der Stadt und ihrer Umgebung und kurzweilige Grillabende. Alles in allem kamen die jungen Ulmer mit erheblichen sportlichen Fortschritten und vielen Eindrücken wieder nach Hause zurück.


www.deutschlandachter.de vom 4.6.2008:

Radikaler Schnitt: DRV schenkt neuer Achter-Crew das Vertrauen

Carsten Oberhagemann

Demonstrieren Geschlossenheit: Die neue Achtercrew mit Sebastian Schmidt (von links), Kristof Wilke, Andreas Penkner, Florian Eichner, Florian Mennigen, Jochen Urban, Philipp Naruhn und Matthias Flach. Vorne Peter Thiede.
 Foto: Carsten Oberhagemann

Bei einer Pressekonferenz im Dortmunder Parkhotel gab der Deutsche Ruderverband (DRV) in Person seines Präsidenten Siegfried Kaidel folgende Veränderungen bekannt: Bundestrainer Dieter Grahn bleibt weiterhin Disziplintrainer im Männerriemenbereich, das Projekt Achterbildung steht bis Posen unter der Leitung von Christian Viedt und der Achter wird aus zehn Personen gebildet.

Kaidel und DRV-Sportdirektor Michael Müller machten deutlich, dass dieser radikale Schnitt nach dem Ergebnis vom Weltcup in Luzern – über zehn Sekunden Rückstand auf Kanada –zum jetzigen Zeitpunkt notwendig war und die neue Besetzung nun ausschließlich nach dem Leistungsprinzip gebildet wird. Und hierzu seien die Ergebnisse der Deutschen Kleinbootmeisterschaften maßgeblich.

In den Achter am Nachmittag stiegen damit: Matthias Flach, Florian Mennigen, Jochen Urban, Andreas Penkner, Florian Eichner, Philipp Naruhn, Kristof Wilke und Sebastian Schmidt. Urban und Schmidt haben ihren Platz im Achter damit behalten, Steuermann Peter Thiede ohnehin. Er stand nie zur Disposition. Philipp Stüer und Thorsten Engelmann wurde angeboten, in diesem Kreis mitzuwirken. Für ihre Entscheidung wurde ihnen ein Tag Bedenkzeit gegeben. Für die endgültige Nominierung für die Olympischen Spiele in Peking, die der Deutsche Olympische Sportbund vornimmt, muss der DRV bis zum 23. Juni eine Mannschaft vorschlagen und kann bis zum 15. Juli noch Veränderungen vornehmen.

Am heutigen Morgen hatten die Trainer Dieter Grahn, Christian Viedt, Ralf Müller und Klaus Ritter über die weitere Vorgehensweise gesprochen. „Es war eine sachliche Diskussion. Ich bin überzeugt, dass wir eine sehr gute Wahl getroffen haben“, sagte Sportdirektor Michael Müller. Mit der Weltmeistercrew von 2006 einen zweiten Achter nach Posen zu schicken, sei überlegt worden. „Nach Abwägung aller Vor- und Nachteile haben wir uns aber entschlossen, einer Gruppe uneingeschränkt das Vertrauen auszusprechen und sich ausschließlich mit der internationalen Konkurrenz zu messen“, sagte Müller. heranzukommen.


Südwest Presse Ulm vom 2.6.2008:

Eine Bootslänge fehlt dem Vierer zu Bronze

Deutschland II rudert in Luzern auf Platz fünf

Um eine Länge Bronze verpasst: Für den Ruder-Vierer Deutschland II mit dem Ulmer Urs Käufer stand beim Weltcup in Luzern Platz fünf zu Buche.

HJK

Fünfter auf dem Rotsee bei Luzern: Der Vierer Deutschland II mit (von rechts) Filip Adamski, Urs Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe. Privatfoto

Der Ruder-Vierer Deutschland II mit Filip Adamski (Mannheim), Urs Käufer (Ulm), Toni Seifert und Gregor Hauffe (beide Leverkusen) hat im Finale des Weltcups auf dem Rotsee bei Luzern den 5. Platz belegt. Zu den Weltbesten - das sind aktuell die Boote aus Australien und den Niederlanden - fehlten anderthalb Längen. Dennoch legte das Quartett auf dem Rotsee das beste Resultat der Riemenruderer hin.

Wie schon so oft ruderte das deutsche Quartett nach der Startphase nicht auf Höhe des Geschehens. Vorne machte der australische Vierer knapp gefolgt von den USA und den Niederlanden Druck. Bei Streckenhälfte änderte sich an diesem Bild nicht viel. Hinter dem führenden Trio lag Frankreich, dahinter die amtierenden Weltmeister aus Neuseeland. Erst dann folgten Käufer und Co. Der Endspurt führte die Besatzung dann wieder dichter ans Feld heran, allerdings reichte es nicht zu einem Podestplatz. Es siegte Australien - bei der letztjährigen WM in München noch auf Platz zwölf - vor den Niederlanden, die kurz vor dem Ziel die USA auf den Bronzerang verwiesen.

Der Endspurt von Adamski und Kollegen reichte immerhin noch um den Weltmeister-Vierer aus Neuseeland zu überspurten und auf den letzten Rang zu verweisen. Auf Bronze fehlte den Deutschen eine Bootslänge. "Unser Endspurt hätte etwas besser sitzen können. Vergleicht man die Zeiten der letzten 500 Meter miteinander, haben wir uns diesmal auf diesem Streckenabschnitt nicht so deutlich abheben können", meinte Urs Käufer.

Im B-Finale siegte Deutschland I mit Schlagmann Matthias Flach knapp vor Großbritannien und belegte in der Gesamtwertung somit den 7. Platz. Nach wie vor geht es gerade im Vierer-ohne auf dem nationalem wie dem internationalen Parkett sehr eng zu. Nicht weniger als zehn Länder liegen sehr eng zusammen und können in einen Medaillenrang genauso rudern wie auf einen Platz im B-Finale. So war zum Beispiel im Luzerner Endlauf kein einziges Medaillenboot des ersten World-Cup in München vertreten.

Was die Olympiachancen der deutschen Vierer angeht, ist die Entscheidung auf den letzten World-Cup in Poznan vertagt. "Wir werden die Ergebnisse der Riemenboote genau analysieren und dann entscheiden, welche Formationen wir an den Start schicken", meinte Michael Müller, Sportdirektor der Deutschen Ruder-Verbands (DRV): "Priorität hat der Achter, dann erst stehen der Vierer und Zweier in der Reihenfolge." Am Schluss der Regatta war der Deutschland-Achter abgeschlagen auf dem fünften Platz gelandet - knapp elf Sekunden hinter Kanada. Dem höher gehandelten Zweier mit Florian Eichner und Philip Naruhn (Halle) reichte es nur zum 10. Platz


www.deutschlandachter.de vom 1.6.2008:

Adamski-Vierer fehlten die Kräfte im Endspurt - Fünfte

Carsten Oberhagemann

Im Ziel fast gekentert: Der Vierer mit Filip Adamski, Urs Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe Foto: Carsten Oberhagemann

Im Vierer ohne Steuermann belegten Filip Adamski, Urs Käufer, Toni Seifert und Gregor Hauffe mit fünf Sekunden Rückstand auf das Sieger-Quartett den fünften Platz. Diesmal reichte es nicht, im Endspurt an das enteilte Feld noch einmal heranzukommen. Gut möglich, dass die Power nach dem Kräfte zehrenden Halbfinale am Samstag ein bisschen fehlte. Es siegte der australische Vierer vor den Niederlanden, USA und Frankreich. Sechster wurden die Weltmeister des Vorjahres aus Neuseeland.


Südwest Presse Ulm vom 28.5.2008:

Ulmer Ruderer auf Tour

Herausforderungen in Luzern, in Ratzeburg und im Wasserpark Dove-Elbe

Schwerstarbeit für die Ulmer Ruderer am kommenden Wochenende. Ob auf dem Rotsee in Luzern, dem Wasserpark in der Nähe Hamburgs oder in Ratzeburg, überall wird um gute Platzierungen gekämpft.

HJK

Der Ulmer Urs Käufer (Zweiter von rechts) will mit seinen Vierer-Kollegen in Luzern glänzen. Foto: Hansjörg Käufer

Gleich an drei Regattaorten stehen die Ulmer Ruderer am kommenden Wochenende vor wichtigen Entscheidungen. Auf dem Luzerner Rotsee trifft sich die Weltelite zum zweiten Weltcup. Urs Käufer ist dort für den URCD im Vierer am Start. In Ratzeburg versuchen die Ulmer U-23er Kerstin Hartmann und Max Reinelt im nationalen Ranking vordere Platzierungen einzufahren. Auf die Junioren warten auf dem Wasserpark Dove-Elbe südlich von Hamburg zahlreiche Gegner aus ganz Deutschland.

Findet der Vierer von Urs Käufer zu seiner alten Form zurück? Und wenn ja, gelingt es, die nationalen Konkurrenten um den Rostocker Schlagmann Mathias Flach zu bezwingen? Zur Erinnerung: beim 1. World-Cup in München belegte der neu gebildete Flach-Vierer Rang drei. Sechs Sekunden dahinter folgten Käufer und Co. auf dem sechsten Rang. In der internen Auseinandersetzung um die Olympiatickets steht es also 1:0 für den Gegner.

Drei Wochen vor dem letzten World-Cup in Poznan könnten der Rostocker und seine Mitstreiter den Sack theoretisch schon zumachen. Da aber der Riemenbereich von Bundestrainer Dieter Grahn, und hier insbesondere der Deutschlandachter, als Baustelle gilt, dämpft Sportdirektor Michael Müller (Hannover) allzu frühe Erwartungen: "Wir werden in Luzern sehr genau hinschauen. Die Riemenruderer werden erst Ende Juni nach Poznan nominiert. Die Zeit nehmen wir uns." Je nach Platzierungen in Luzern sind weitere personelle Varianten im Achter, Vierer und Zweier durchaus denkbar.

Was Adamski, Käufer, Seifert und Hauffe angeht, gilt ihre Konzentration schon immer "ihrem" Vierer. Sie zeigten sich nicht nur im Erfolgsjahr 2006 als eingeschworenes Quartett, sondern standen auch im von Krankheit und Rückschlägen geprägten vorolympischen Jahr zueinander. In den letzten Wochen haben sie noch mal intensiv an sich gearbeitet und reisen zuversichtlich in die Zentralschweiz. "Es wird sehr schwer, aber wenn es bei uns normal läuft, können wir die anderen schlagen", sagt Urs Käufer. Er und seine Kollegen wissen, vor welcher großen Herausforderung sie stehen. Sie kennen die enorm guten physischen Werte ihrer Mitbewerber aus dem Stützpunkt Dortmund genau. Auf dem Luzerner Rotsee gilt der Blick nicht nur dem internen Duell. Unter den 16 Vierern ist die gesamte Weltelite vertreten. Sogar die starken Boote aus Übersee gehen an den Start: Australien, USA und Weltmeister Neuseeland.

Dass sie bei der U-23-WM Mitte Juli in Brandenburg mit dabei sind, kann nach den bisherigen Leistungen von Kerstin Hartmann und Max Reinelt kaum in Zweifel gezogen werden. In welcher Bootsklasse das sein wird, darüber sind sich Aktive wie Bundestrainer noch nicht einig. Aufschluss sollen die Rennen in Ratzeburg bringen. Samstags steht für Kerstin Hartmann und Max Reinelt ein Zweier-Ranking an, sonntags werden dann Vierer und Achter - je nach Ausgang der Rangliste - besetzt. Wie schon die ganze Saison über, tritt Kerstin Hartmann mit Sandra Luptowitsch aus Esslingen an. Max Reinelt muss sich wieder auf einen neuen Partner einstellen: den Saarbrücker Max Bandel.

Nach vierwöchiger Rennabstinenz greifen auch die Ulmer Junioren auf dem Wasserpark Dove-Elbe wieder ins Geschehen ein. Claudia Reinelt und Theresa Hanke tun dies bei den A-Junioren im leichten Doppelzweier und Carsten Lormes im Einer. Zudem treten die Ulmer B-Junioren Tim Rupp, Christian Schwaderer, Janis Köster, Constantin Grimminger und Michael Nemmer an. Schwaderer und Rupp werden im Vierer mit Steuermann rudern, während Köster, Grimminger und Nemmer im Vierer ohne ins Rennen gehen. Zudem sind die Ulmer Fünf im Achter des Landesverbandes vertreten. Gesteuert wird das Großboot von Sophie Steinle - aus Ulm.


Südwest Presse Ulm vom 21.5.2008:

Eine Ulmerin aus Hamburg wird 90 Jahre

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Gisela Herlinger

Ulm

Obwohl sie in Hamburg geboren ist, fühlt sich Gisela Herlinger in Ulm nicht als Neigschmeckte. "Ich habe mich hier schnell eingelebt", sagt sie. Morgen wird sie 90 Jahre.

Dennoch musste sie sich umstellen, als sie 1941 nach Ulm zog: "Auf dem Markt haben mich die Leute oft schräg angeguckt", erinnert sie sich. Bald konnte sie schwäbisch sprechen und kochen. "Spätzle hab ich immer gern gekocht", sagt sie. 

Zeit ihres Lebens arbeitete Gisela Herlinger als Sekretärin im Geschäft ihres Mannes mit. "Wir haben Verpackungsmaschinen verkauft, ich habe telefoniert und bin auch mit dem Auto gefahren."

Viele Jahre waren sie und ihr inzwischen verstorbener Mann im Ulmer Ruderclub aktiv. "Da war ich oft das Kielschwein", sagt Gisela Herlinger und erklärt: "Ich saß im Boot hinten drin und habe beim Rudern zugeschaut." Ihren Geburtstag feiert sie morgen mit ihrer Familie.


Südwest Presse Ulm vom 10.5.2008:

Taufe für die neuen Boote resolut und da Capo
Ulmer Ruderclub Donau startet offiziell in die Saison - Eigentlich läuft der Betrieb das ganze Jahr über

 

Sophie Steinle tauft den neuen Achter des Ulmer Ruderclubs Donau auf den Namen "resolut" Foto: Matthias Kessler

Ulm/Neu-Ulm

Das Anrudern ist jedes Jahr der offizielle Start in die Rudersaison, und beim Ulmer Ruderclub Donau (URCD) geht das einher mit einer Bootstaufe. 

Sophie Steinle taufte den neuen Achter auf den Namen resolut, Kerstin Hartmann gab dem Zweier ohne Steuermann den Namen da Capo. Anrudern, das hieß früher: Boote raus, rauf aufs Wasser. 

"Heute läuft der Betrieb das ganze Jahr über", ebenso die Ausbildung, sagte URCD-Vorsitzender Andreas Huber. In seiner Rede erwähnte er besonders Prof. Jürgen Steinacker und Johanna Kienzerle, seit kurzem Präsidentin des Landesruderverbands. Beide trügen dazu bei, den Rudersport in Deutschland voranzubringen.


Südwest Presse Ulm vom 8.5.2008:

Duell um den Olympia-Vierer
Urs Käufer und seine Crew wollen in München überzeugen

In München startet der Ulmer Ruderer Urs Käufer in die Weltcup-Saison. Mit seinen drei Vierer-Kollegen will er das Ticket für Peking ergattern.  

HJK

Urs Käufer hofft auf einen Platz im deutschen Vierer. Foto: Archiv

Erster großer Etappenort der Ruderer auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Peking ist München. Dort beginnt heute der Weltcup, zugleich das erste Kräftemessen mit der internationalen Konkurrenz. 54 Nationen sind am Start - so viele wie noch nie bei einem Weltcup-Auftakt. Viele Verbände haben ihre Crews bereits nominiert, die Deutschen nicht. Urs Käufer geht mit seinem bewährten Vierer der letzten beiden Jahre ins Rennen.

Nach den bisherigen Tests lagen Urs Käufer, Filip Adamski (Mannheim), Toni Seifert und Gregor Hauffe (Leverkusen) stets dicht beieinander, deshalb setzte Bundestrainer Dieter Grahn die Vier wieder in ihr Wunschboot. Geschenkt kriegen die Vizeweltmeister von 2006 nichts. Nach der Achternominierung blieb ein zweiter starker Vierer übrig, der in der Zweier-Rangliste vorne liegt.

Doch die nationale Rangliste ist nicht alles. Die Männer um Schlagmann Adamski setzen vor allem auf Gefühl, Technik und die perfekte Harmonie in "ihrem" Vierer. Damit wollen sie schnell sein und ihre Fahrkarte nach Peking lösen.

In München geht es nicht nur gegen das andere deutsche Boot, Grahn verlangt auch im internationalen Vergleich einen klaren Leistungsnachweis. Die Konkurrenz ist stark: Außer Neuseeland und den USA, sind alle wichtigen Nationen am Start. Doch das Quartett hat in den letzten drei Wochen gut trainiert. "Schon nach der zweiten Einheit lief das Boot gut. Wir konnten schnell an den technischen Feinheiten arbeiten", sagt Urs Käufer. Auch Coach Ralf Müller ist optimistisch: "Auf den Jungs liegt ordentlich Druck. Wir werden in München offensiv ins Rennen gehen und die Herausforderung annehmen. Die Mannschaft ist mental stark und hat sich über den Winter körperlich weiterentwickelt.


Südwest Presse Ulm vom 7.5.2008:

Ein Quartett schiebt sich nach vorn

HJK

Einen Sieg verbuchte der Ulmer Nachwuchs bei der internationalen Junioren-Regatta in München, zu der 1600 Ruderer aus 15 Nationen gekommen waren. Den machte der Junior-B-Vierer mit Janis Köster, Tim Rupp, Christian Schwaderer, Constantin Grimminger und Steuerfrau Sophie Steinle perfekt. In der knappsten Entscheidung der Regatta lagen sie fünf Hundertstel vor der Rheinland-Pfalz-Auswahl. Dabei drehte die Crew von Trainer Uwe Hallm auf den letzten 400 Metern mächtig auf und konnte mit dem letzten Schlag ihren Bug nach vorn schieben. Tags darauf parierte der Südwest-Vierer den Ulmer Endspurt und lag 72 Hundertstel vorn.

Anders sieht die Situation im B-Achter des Landesverbandes aus, in dem neben dem erfolgreichen Ulmer Quartett mit Michael Nemmer ein weiterer Junior des URCD rudert. Dem Großboot fehlten an beiden Tagen zwei Längen auf die Pfälzer. Auch die Spanier musste man klar ziehen lassen und kam auf den dritten Platz.

Anne Köhler ruderte bei den A-Juniorinnen hinter Machtheld Laureyns (Belgien) auf den zweiten Rang. Dritte Plätze belegten die A-Junioren Carsten Lormes sowie der Doppelzweier Claudia Reinelt/ Theresa Hanke. Die Leichtgewichte starteten in der schweren Klasse, so dass es kaum verwundert, dass der Abstand zur Spitze groß war.


Südwest Presse Ulm vom 22.4.2008:

Pech für die Ulmer Ruderer in Brandenburg

UWE

Urs Käufer vom Fieber matt gesetzt, Max Reinelt und Kerstin Hartmann auf dem Weg zur U-23-Weltmeisterschaft - so sieht die Bilanz der Ulmer Ruderer bei den deutschen Kleinbootmeisterschaften in Brandenburg aus. 

"Nach 500 Metern hat mir die Kraft gefehlt", sagte Urs Käufer nach dem Halbfinale, das er mit Filip Adamski auf Platz fünf beendete. Danach führte der Weg zum Arzt, die überstanden geglaubte fiebrigen Erkältung hatte sich zurück gemeldet. Ans B-Finale war nicht zu denken. Nun hofft der Ulmer, dass Bundestrainer Dieter Grahn ihn weiter mit Adamski sowie Toni Seiffert und Gregor Hauffe im Vierer aufs Wasser schickt. Heute steht eine Sitzung im Ruderzentrum Dortmund an, die zur Krisensitzung mutieren wird, da die bisherige Besatzung des Achters sich fast ausnahmslos schwach präsentierte.

Reinelt hatte mit seinem Partner Milan Dzambasevic Pech im Halbfinale. Beim ersten Schlag brach sein Kohlefaserausleger - die beiden kenterten. Der Lauf wurde zwei Stunden später neu gestartet, doch so richtig kam der Zweier nicht mehr ins Laufen. Es blieb Platz fünf und als Entschädigung ein souveräner Sieg im D-Finale. Reinelt steuert auf einen Platz im U-23-Achter zu. Dasselbe gilt für Kerstin Hartmann. Sie wurde mit Sandra Luptowitsch Dritte im B-Finale der Frauen.


Südwest Presse Ulm vom 19.4.2008:

Erkältung bremst Ruderer Urs Käufer

UWE

Zwei dritte, ein zweiter und ein fünfter Platz - das waren die Vorlauf-Ergebnisse der Ulmer Zweier-Ruderer am ersten Tag der deutschen Kleinboot-Meisterschaften in Brandenburg. Für Urs Käufer hatten die Vorzeichen nicht gut gestanden. Die ganze Woche über hatte ihn eine Erkältung außer Gefecht gesetzt, als einziger Zweier waren er und sein etatmäßiger Partner Filip Adamski die Vorbelastung nicht gefahren. Gestern lief es nun ganz ordentlich. Hinter Philipp Naruhn/Florian Eichner wurden sie Zweite.

Bereits zuvor war Nachwuchs-Mann Maximilian Reinelt mit seinem neuen Partner Milan Dzambasevic am Start. Die beiden kamen zwar schwer in Schwung, holten dann aber auf. Am Ende fuhren sie in 6:58,21 Minuten als Dritte durchs Ziel. Vorne lagen mit Sebastian Schmidt (Mainz/Krefeld/6:49,86), die als Favoriten auf den Titel gelten, und Jörg Dießner/Stephan Koltzk Kandidaten, die sich Hoffnungen auf Plätze im olympischen Achter für Peking machen. Christoph Peitz musste im Einer ran und landete auf dem fünften Rang.

Bei den Frauen erreichte Kerstin Hartmann mit der Esslingerin Sandra Luptowitsch ebenfalls den dritten Vorlaufrang. Unmittelbar vor ihr kam ihrer frühere Partnerin Kerstin Reinert mit Kerstin Naumann an. Den Lauf gewannen Christina Hennings/Nadine Schmutzler.


Südwest Presse Ulm vom 5.4.2008:

Die Füße in die Donau strecken
Ruderer, Paddler und Bootsfahrer sprechen im Club Orange über eine neue Ufer-Gestaltung

Anlegestellen bauen, Wege vernetzen und Nähe zum Wasser schaffen, das sind die Ideen für ein neues Donauufer. Rund 50 Fluss-Nutzer diskutierten am Donnerstag im Club Orange in der Ulmer Volkshochschule.

NINA RECKMANN

Ruderer und Schifffahrer tummeln sich gerne auf der Donau - nur heraus kommt man wegen der steilen Hänge schwer. Foto: Volkmar Könneke

Ulm

Ob sie am Ufer entlang schlendern, auf dem Fahrrad vorüber fahren oder auf einer Bank sitzen und auf das Wasser hinausschauen - für viele Ulmer ist die Donau ein wichtiger Lebensraum. Doch gibt es nicht nur Donau-Freunde am, sondern auch auf und im Fluss. Dazu gehören die Schiff- und Bootsfahrer, die Ruderer, die Paddler und die Rettungsschwimmer. Um das Donauufer einmal aus ihrer Sicht zu betrachten, hatten Stadt und Volkshochschule (vh) die Vertreter der einzelnen Organisationen zu einer Podiumsdiskussion in den Club Orange eingeladen. Bei der ersten Veranstaltung der Reihe "Unsere Donau" diskutierten gut 50 Fluss-Nutzer über ihre Ideen für eine neue Ufer-Gestaltung.

Auf der Fahrt bis zum Schwarzen Meer würde den Schifffahrern nirgends so ein schlechter Empfang bereitet wie in Ulm, sagte Frieder Nething von der Gesellschaft der Donaufreunde. "Dabei meine ich nicht nur die großen Städte wie Ingolstadt, Linz oder Budapest", fügte er hinzu, "auch in Lauingen ist der Empfang für ankommende Schiffe sympathischer als bei uns." Würden sie ihre Schiffe zwischen Böfinger Halde und Adenauerbrücke an- und ablegen, hätten sie jedes Mal das Problem der steilen Böschung: "Wir müssen über das Ufer hinauf und hinab krakeln, das ist buchstäblich tragisch", fand er. Die stark abfallenden Uferhänge sind für den Donaufreund das größte Defizit am heutigen Ufer, er plädierte für eine Abflachung: "Die Stadt tut sich bisher nicht so leicht zum Wasser zu kommen."

Dabei wolle der flanierende Ulmer nicht nur am Wasser entlang, sondern auch mal zum Wasser hinuntergehen, sagte Bürgermeister Alexander Wetzig, der die Diskussionsrunde moderierte. "Einfach um die Füße mal in die Donau zu strecken." Bei vielen Zuhörern stießen diese Worte auf positive Resonanz, dennoch erntete Wetzig auch skeptische Stimmen. "Bei allem Flanieren und aufs Wasser Hinausschauen dürfen wir nicht vergessen, dass die Donau ein reißender Fluss ist", sagte Raimund Hörmann, der sportliche Leiter des Ruderclubs Ulm. Eine Uferglättung würde die Hochwassergefahr erhöhen, sagte der Olympiasieger von 1984, da müsse aufgepasst werden, dass man nicht ungewollt nasse Füße bekommt. Außerdem habe die Donau ein sehr hohes Strömungsgefälle - 76 Zentimeter pro Kilometer - und seit dem Anbau gebe es allein unter der Eisenbahnbrücke ein Gefälle von 40 Zentimetern: "Selbst geübte Ruderer müssen da aufpassen, dass der Bug nicht unter Wasser geht."

Für Hobbysportler, die mit ihrem Schlauchboot die Donau hinunterfahren, ist die starke Strömung jedoch eine große Gefahr: "Nicht ortskundige Flusswanderer können die Durchfahrt unter der Eisenbahnbrücke kaum händeln", sagte Thomas Biek, technischer Leiter des DRLG. Es wäre wichtig, diese Stelle zu kennzeichnen. Außerdem schlug er die Abschaffung der drei Schwimmstege vor. "Bei Veranstaltungen wie dem Fischerstechen oder dem Nabada halten sich ungeübte Fahrer oft daran fest, ohne die starke Strömung zu beachten."

Auch auf dem Land gibt es Verbesserungswünsche: "Der Aufgang an der Herdbrücke ist so verdreckt, da muss man unbedingt was machen", sagte Reinhold Kräß von der Personenschifffahrt. Außerdem wäre es schön, die historischen Anlegestellen der alten Fischer auszuschildern, meinte Günter Bodmer von den Nabada-Organisatoren. Zuhörer Wolfgang Dieterich, der Geschäftsführer der Ulm/Neu-Ulm Touristik, plädierte für eine bessere Vernetzung der Radwege: "Bequeme Radfahrer fahren auf der Höhe Herdbrücke einfach über die Stadtmauer - obwohl sie dort nicht fahren dürfen - und gefährden somit die Fußgänger", sagte Dieterich. Zusätzlich meldete sich eine Bewohnerin des Fischerviertels: Auf keinen Fall solle das Donauufer so abflachen wie in Neu-Ulm: "Da ist das Ufer gestylt. Wir sollten unser Ufer als Naturgarten erhalten."


Südwest Presse Ulm vom 31.3.2008:

Der Olympia-Traum lebt
Käufer mit tollem Ergometer-Test, Reinelt mit neuem Partner

Die Ulmer Ruderer Urs Käufer und Max Reinelt waren beim Langstreckentest in Leipzig gut drauf. Der eine will zu Olympia, der andere zur U-23-WM.

HJK

Neues Team mit großem Potenzial: Der Ulmer Max Reinelt (li.) und sein Partner Milan Dzambasevic. Foto: Hansjörg Käufer

Urs Käufer und Max Reinelt, die Leistungsträger des Ulmer Ruder-Clubs Donau, sind nach dem Langstrecken-Wettbewerb über sechs Kilometer in Leipzig weiterhin im Rennen um einen Startplatz bei Olympia beziehungsweise der U-23-WM. In 21:04 Minuten belegte Käufer mit seinem Mannheimer Partner Filip Adamski den siebten Rang in der Gesamtwertung. Max Reinelt ruderte mit seinem neuen Kollegen Milan Dzambasebic (Hannover) in 21:26 Minuten auf Platz 15. Im U-23-Ranking bedeutete das Platz sechs.

Viel Wind und hohe Wellen wühlten am Wochenende den Elster-Saale-Kanal auf und ließen die Strecke vor den Toren Leipzigs schwer bewältigen. Zwischen den elf Zweiern ging es ungewöhnlich eng zu. Einzig die Sieger Jochen Urban und Sebastian Schmidt (Krefeldt/Mainz) setzten sich in 20:46 Minuten mit dem Rostocker Nachwuchszweier Lehmann/Drahotta (20:53) etwas vom Feld ab. Zwischen dem dritten und neunten Boot lagen gerade Mal sieben Sekunden.

Obwohl Käufer und Adamski ihren fünften Platz von der Dortmunder Langstrecke nicht halten konnten, wahrten sie ihre Olympia-Chancen. Vor allem, weil den Baden-Württembergern tags zuvor eine Steigerung auf dem Ergometer gelungen war. Über die virtuelle 2000-Meter-Distanz verbesserte Käufer seine persönliche Bestzeit um 2,5 Sekunden und blieb in 5:59 erstmals unter der Sechs-Minuten-Grenze. Stützpunkttrainer Christian Viedt sagt: "Die Ergo-Werte von Urs und Filip waren eine tolle Steigerung. Vom Rennen der Beiden hätte ich mir etwas mehr erwartet." Doch nur wenigen der 22 Olympiakandidaten gelang es an diesem Wochenende, in beiden Disziplinen eine stabile Leistung abzuliefern. Deshalb liegen alle weiterhin eng beieinander. "Es ist für jeden Einzelnen noch alles drin", meint Bundestrainer Dieter Grahn.

Für eine positive Überraschung sorgte Max Reinelt mit seinem neuen Partner Milan Dzambasevic. Das aus der Not geborene Duo hatte nur ein Wochenende Zeit, um an der Abstimmung zu arbeiten. Zwar konnte Reinelts zweiter Platz von Dortmund im Dezember nicht gehalten werden, dafür verringerten sie den Abstand zum U-23-Sieger Lehmann/Drahotta deutlich. U-23-Bundestrainer Thomas Affeldt war voll des Lobes: "Max und Milan haben ihre Sache richtig gut gemacht." Christoph Peitz ruderte bei seinem U-23-Debüt im Einer auf den guten 13. Rang (23:18).


Südwest Presse Ulm vom 27.3.2008:

Der Ruderclub baut auf
Ulmer planen Erneuerung der Vereinsanlage in Neu-Ulm

Der Ulmer Ruderclub möchte seine Anlage in Neu-Ulm erneuern. Die Pläne stammen von einem Mitglied: Architekt Josef Seidel. Die Mitglieder haben es nun in der Hand, ob das Millionenprojekt kommt.

HANS-ULI THIERER

Ruderclub-Perspektiven: Die Pläne des Büros Seidel Architekten sehen vor, auf die bestehenden Gebäude zwei Querriegel zu stellen. Rechts der durch Glas zur Donau hin lichtdurchflutete Kraftraum, links die neue Umkleide. Foto: Matthias Kessler

Ulm/Neu-Ulm

Kaum zwei Kilometer flussabwärts steht dem Ulmer Großverein am anderen Donauufer das Wasser bis zum Hals. Der mehr als 20-mal kleinere Ulmer Ruderclub Donau (URCD) schmiedet dagegen große Pläne. Während der SSV Ulm 1846 in der Friedrichsau am finanziellen Abgrund steht, möchte der URCD sein mittlerweile durch dicke Betonmauern gegen Hochwasser geschütztes Vereinsgelände unterhalb der Adenauer-Brücke am Neu-Ulmer Ufer aufmöbeln.

Sofern die Mitglieder mitspielen und einen Grundsatzbeschluss fassen, wird noch in diesem Jahr der Ausbau der Anlage auf den Weg gebracht. Damit nähme der URCD ein Projekt in Angriff, für das zwar noch keine Kostenberechnung vorliegt, das aber bestimmt zwischen einer und zwei Millionen Euro teuer werden wird, wie Kenner der Materie schätzen. Ein erkleckliches Sümmchen für einen Verein, der gerade mal 540 Mitglieder hat.

URCD-Vorsitzender Andreas Huber sprach, als am Montag im Vereinsheim die Pläne des Architekten und Vereinsmitglieds Josef Seidel ("Seidel-Architekten") für die Erweiterung präsentiert wurden, unverblümt die Erwartung aus, dass der finanzielle Grundstein mittels einer Sonderumlage gelegt wird. "Jedes Mitglied sollte sich auch entsprechend beteiligen."

Die Worte des Vorsitzenden werden auf fruchtbaren Boden fallen, schließlich ist der URCD kein Arme-Leute-Verein, was sich auch darin äußert, dass die Pläne das Ergebnis eines vereinsinternen Architektenwettbewerbs sind. Vier Büros, deren Chefs dem URCD angehören, hatten sich beteiligt. Welcher andere Verein kann auf solche Kompetenzen zurückgreifen?

Im Übrigen müsste der URCD selber nur 20 bis 30 Prozent der Investitionssumme aufbringen. 70 bis 80 Prozent kämen als Zuschüsse von der Stadt Ulm und vom Württembergischen Landessportbund (WLSB), sagte Huber, der mehrere Gründe für die Erweiterung nannte: Die Zahl aktiver Ruderer wachse stark - laut Sportchef Raimund Hörmann gehen fast 350 Jugendliche, Frauen und Männer regelmäßig auf die Donau -, vor allem Umkleide- und Sanitäranlagen reichten hinten und vorn nicht mehr aus.

Der Ruderclub müsse sich wappnen fürs kommende Jahrzehnt. Rasche Entscheidungen seien zu treffen, denn unklar sei, ob es mit der Sportförderung der Stadt Ulm so weitergehe wie bisher. Wenn auch längst nicht spruchreif, so sei es doch eine Perspektive, dass der URCD Stützpunkt des Landesruderverbands werde. "Dann brauchen wir Tagungsräume, die aber im wesentlichen der Landesverband finanzieren müsste."

Dieser Zukunftsmusik kommen Seidels Pläne entgegen. Ausgewählt hat sie eine Jury mit Huber und Hörmann, Gebäudewart Hans-Jörg Stöhr, Neu-Ulms Stadtbaudirektor Ingo Degenhart und Ulms Chefstadtplaner Volker Jescheck. Seidel hat ein Baukastenprinzip entwickelt, das auf bestehende Anlagen aufbaut, ohne großen Verbrauch freier Flächen auskommt und besagten Tagungstrakt unabhängig erst als dritten Baustein vorsieht. Die beiden ersten Bausteine, auf die sich die Schätzung des Millionenaufwandes bezieht, sind zwei Querriegel für Kraftraum und Umkleidetrakt, die auf vorhandene Gebäude gesetzt werden.


Südwest Presse Ulm vom 27.3.2008:

Endspurt um Olympia-Tickets
Ulmer Ruderer Urs Käufer hofft mit Partner Filip Adamski auf Zuschlag

Am Samstag treten die deutschen Ruderer in die heiße Phase um die Vergabe der Olympia-Tickets. Auf dem Elster Saale-Kanal bei Leipzig wird die Regattasaison eröffnet - mit dabei: zwei Ulmer.

HJK

Urs Käufer (li.) und Filip Adamski wollen es am Wochenende wissen. Archivfoto

Zwei Ulmer Ruderer wollen mit guten Ergebnissen auf sich aufmerksam machen: Während es bei Urs Käufer und seinem Partner Filip Adamski (Mannheim) um Punkte für einen Olympiaplatz geht, versucht der Ulmer U-23-Ruderer Max Reinelt mit seinem neuen Partner Milan Dzambasevic (Hannover) seine Spitzenstellung im Nachwuchsbereich zu festigen.

Auf ein umfangreiches Winterprogramm blicken Urs Käufer und seine 21 Mitbewerber des Leistungszentrums Dortmund zurück. Unzählige Kilometer legten sie auf Langlaufskiern, mit dem Rennrad und im Boot zurück. 

Erst letztes Wochenende kehrte der Dortmunder Tross von einem mehrwöchigen Trainingsblock am Lago di Sabaudia, südlich von Rom, zurück. Bundestrainer Dieter Grahn und sein Co. Christian Viedt begleiteten sämtliche Maßnahmen. Erste Erkenntnisse, wer denn am besten in eines der drei olympischen Riemenboote (Achter, Vierer, Zweier) passen könnte, zog das Trainergespann bereits aus den Leistungen der vergangenen Monate. Richtig ernst wird es für den 22 Mann starken Riemenbereich bereits morgen beim Ergometertest. Eine Maßnahme, die bei Käufer und Adamski keine guten Erinnerungen hervorruft, denn genau vor einem Jahr an gleicher Stelle verausgabte sich Adamski dermaßen, dass er kollabierte. Es folgte ein Krankenhausaufenthalt mit anschließend mehrwöchiger Trainingspause. Die Saison 2007 war so gut wie gelaufen. Morgen wird Adamski gut beraten sein, das letzte Viertel der virtuellen Zwei-km-Distanz etwas gemäßigter anzugehen.

Wenn es am Samstag aufs Wasser geht, gilt freilich keine Zurückhaltung mehr. Als Bewertungsgrundlage dient die letzte Überprüfung von Dezember 2007. Käufer und Adamski belegten seinerzeit auf dem Dortmund-Ems-Kanal den fünften Rang. "Am Samstag wollen wir das Resultat von Dortmund verbessern", sagt Urs Käufer.

Nach der Dortmunder Langstrecke ging Max Reinelt mit seinem damaligen Partner Felix Feldhaus (Dortmund) als zweitschnellstes Boot der deutschen U-23er in den Winter. Vor wenigen Tagen zog sich Feldhaus vom Leistungssport zurück - Reinelt stand von heute auf morgen alleine da. Mit Hilfe des Dortmunder Stützpunktes konnte wenigstens der ruderische Nobody Milan Dzambasevic aus Hannover vermittelt werden.


Südwest Presse Ulm vom 23.1.2008:

RUDERN / Grimminger überrascht beim Ergo-Cup
Ohne Boot bärenstark

Die Ruderer sitzen auf dem Trockenen und messen deshalb auf dem Ergometer ihre Kräfte. Max Reinelt überzeugte in Dortmund mit starken Kraftwerten.

UWE

Auf dem Ergometer so stark wie auf dem Wasser: Max Reinelt. Archivfoto

Während die Kollegen in Stuttgart die Ergometer surren ließen, war Max Reinelt am Leistungszentrum in Dortmund. "Die Form stimmt. Er hat seine Bestzeit wieder verbessert", lobte Trainer Uwe Hallm den Abiturienten. Die Aussichten erneut im U-23-Achter zu sitzen, sind glänzend: "Vielleicht klappt' s ja sogar im Zweier."...

Bei den süddeutschen Ergo-Meisterschaften hat Constantin Grimminger alle überrascht. 1500 virtuelle Meter mussten die B-Junioren zurücklegen, Grimminger ließ in 4:56,70 Minuten Teamkollege Urs Humpenöder (3./4:57,30) hinter sich. Die anderen URCD-Starter landeten auf den Rängen sieben bis neun, wobei der Jüngste vorn war: Christian Schwaderer kam in 5:04,00 Minuten an. Michael Nemmer und Tim Rupp folgten innerhalb einer Sekunde.

Leichtgewichte schnell

Für den zweiten Ulmer Erfolg sorgte Claudia Reinelt über 2000 Meter der Juniorinnen A (7:30,90). Sie hatte die Nase vor ihrer ebenfalls leichtgewichtigen Zweier-Partnerin Theresa Hanke (7:40,00). Bei den "schweren" Mädchen wurde Melina Reichart Dritte (7:32,40). Bei den jungen Männern war Carsten Lormes als Siebter stärkster Ulmer. "Ich denke, das ist alles ganz in Ordnung. Von der konditionellen Seite her können wir zufrieden sein", urteilte Trainer Björn Gehrmann. Mit Neuzugang Matthias Kettner, der von "Rudern 2000", dem anderen Ruderclub in der Doppelstadt gekommen ist, zeichnet sich ein neuer Vierer der 17-Jährigen ab. "Er hat sich rudertechnisch nahtlos eingefügt", lobte Gehrmann die Arbeit der Kollegen aus der Nachbarschaft.

Bei den Frauen musste Kerstin Hartmann ihrer neuen Partnerin Sandra Luptowitsch (Esslingen/ 7:16,10) den Vortritt lassen. An die Leistung der überragenden Leichtgewichts-Athletin Anja Noske (7:08,10) kam sie nicht heran, was angesichts der Stärke der Saarbrückerin auch nicht weiter überraschend war. Bei den Männern gelang dem 18-jährigen Christoph Peitz als Siebter (6:25,30) ein guter Einstand in dieser Altersklasse.


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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 29. April 2009 um 17:45 Uhr