"Fest gemauert in der Erden" Drucken
Geschrieben von: Jörg Haußer   

In Schillers Lied von der Glocke steht die Gussform für die Glocke am Anfang. Für die Grundsteinlegung zum Neubau des Ruderleistungszentrums des URCD war ebenso die Form betoniert, die die große Grundsteinbox aus Kupfer aufnehmen sollte. Angeblich begnügen sich andere Bauherren mit deutlich kleineren Boxen, aber der Vorsitzende, Andreas Huber, hatte einen ganzen Schatz zusammengestellt inklusive Pokale, die alle ordentlich Platz brauchten.

Wenn in tausend Jahren Archäologen an dieser Stelle ihre Ausgrabungen machen, sollen sie gleich die wichtigsten Dinge im Leben des Ulmer  Ruderclubs auf einen Blick sehen. Damit dieser wichtige Augenblick nicht im Strom des Vergessens versinkt, wird nach der Fertigstellung des Bauvorhabens der Platz der Grundsteinbox im Bodenbelag markiert werden als Erinnerung für den Beginn, eben "Fest gemauert in der Erden".

Wie geht's beim "Lied von der Glocke" weiter? "Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß." Und der ist sicher auch schon im Vorfeld bei Bauherren und Architekten reichlich geflossen, um auch noch das kleinste Einsparpotential aufzudecken, um den Deckelungsbetrag von 1,2 Millionen Euro nicht zu überschreiten. Da ist sicher manches künstlerische Detail vom wirklichen Leben eingeholt worden, genauso wie einige Wünsche nach Entspannungsbecken oder Sauna "kassiert" worden waren.

Als letztes Hindernis vor der Grundsteinlegung brachten Luftbilder des URCD-Geländes aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, auf denen einige Krater und auch Staubwolken zu sehen waren, das URCD-Bauteam Andreas Huber, Raimund Hörmann und Hans-Jörg Stöhr nochmals ins Schwitzen, doch die Untersuchung des Kampfmittelbeseitungsdienstes brachten ein negatives Ergebnis.

So konnte die Grundsteinlegung am Samstag, den 14. November 2009 im Rahmen des großen URCD-Festwochenendes wie geplant über die Bühne gehen. Die Nationalruderer vom Deutschlandachter 2009, dem amtierenden Weltmeister inklusive unserem Ulmer Urs Käufer mit Trainer Ralf Holtmeyer und die WM-Vierten im Frauen Zweier ohne, Marlene Sinnig und Ulmerin Kerstin Hartmann und ihr Trainer Werner Nowak gaben dem Fest den ganz besonderen sportlichen Glanz.

Der Täter kehrt an den Tatort zurück: nachdem der Ulmer Ruderclub 2004 seinen Trainer Christian Viedt an das Leistungszentrum in Dortmund abgeben musste, konnte dieser jetzt anschauen, was sich an seinem früheren Arbeitsplatz seither alles getan hat. Auch er war mit Familie extra zum großen Fest aus Dortmund angereist.


Langweilig geht anders: die Zuhörer vom Moderatoren-Dream-Team OB Ivo Gönner und URCD-Vorsitzendem Andreas Huber

Für einen Ulmer Verein, der in Neu-Ulm baut, war klar, auch die beiden Oberbürgermeister der gefühlten Stadt Ulm/Neu-Ulm, Ivo Gönner und Gerold Noerenberg, einzuladen. Der Ulmer OB versteht es mit seinen launigen Reden, die an den richtigen Stellen einige Ausdrücke in breitestem Schwäbisch enthalten, die es eben genau auf den Punkt bringen, dem Ulmer und Neu-Ulmer Volk, und hier im besonderen dem rudernden Volk das Herz zu erwärmen.


URCD-Vorsitzender Andreas Huber lauscht dem Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner.

Der OB betonte das große finanzielle Engagement der URCD-Mitglieder und selbstverständlich auch das noch größere Engagement der Stadt Ulm, das, abgesegnet durch den Ulmer Gemeinderat, genau in diesem Zeitfenster möglich war. Die Unterschiede zwischen dem Amt eines OBs und dem eines Vereinsvorsitzenden wären gar nicht so groß. Wenn alles gut läuft, wären es alle, wenn es schlecht läuft, wären natürlich nur die Chefs schuld. Ivo Gönner fragte seinen Neu-Ulmer Amtskollegen Gerold Noerenberg, ob überhaupt schon eine Baugenehmigung da wäre. Wenn nicht, könne er die ja aber noch bei der Einweihung vorbeibringen.


Hier wird als Erinnerung an die alte Umkleide ein alter Duschkopf mit eingepackt.

Dann ging's ans große Packen. Das Moderatoren-Dream-Team OB Ivo Gönner und URCD-Vorsitzender Andreas Huber packte in die mit Alufolie ausgekleidete Kupferbox, was das URCD-Archiv so alles her gab. Böse Zungen vermuteten, dass dazu einfach die Schränke auf der Geschäftsstelle aufgeräumt werden mussten. Die Alufolie war deshalb nötig, dass später beim Zulöten der Kupferbox nicht der Inhalt Feuer fangen würde, falls ein Funke nach innen dringt.


Die Jungs aus dem Deutschlandachter schauen genau hin.

Nach einigen Worten von Architekt Jossi Seidel wurde unter der genauen Aufsicht des Deutschlandachters die Kupferbox zugelötet und in die vorbetonierte Form am Grund hineingestellt, etwas Mörtel schnell auf den Rand der Form aufgebracht, und unter einem dreifach kräftigen Hipp-hipp-hurra hob der Baukran, unterstützt von Hans Hengartner von der Baufirma Motz die Abdeckplatte millimetergenau auf die Form, die Grundsteinbox war jetzt "Fest gemauert in der Erden".

Zeugen dieser Zeremonie waren außer den Nationalruderern auch sehr viele URCD-Mitglieder, die in Zukunft sehr von diesem Ruderleistungszentrum profitieren werden. Mit neuen Räumen kann ein Verein seinen alten und auch potentiell neuen Mitgliedern ein viel attraktiveres Angebot machen. Auch die "Sporthalle" des URCD, die Donau, soll demnächst attraktiver werden, wenn die Stadtwerke Ulm die Stauhöhe des Kraftwerks Böfinger Halde anheben und den Stauscheitelpunkt in den Bereich vom URCD hochverlegen, was die Eisenbahnbrücke vielleicht wieder etwas entschärfen könnte.


Bilder und O-Ton fürs Lokalfernsehen Regio-TV vom Ulmer im Deutschlandachter, Urs Käufer

Nach einem kleinen Imbiss mit Getränken war danach die Stimmung wie beim Anrudern: alle warteten, dass der Deutschlandachter zu seiner zweiten Einheit des Tages aufs Wasser geht. Unter großem Applaus fuhren sogleich Urs Käufer und seine Dortmunder Kollegen parademäßig am Floß des URCD vorbei und zeigten dabei, wie techniksicher und elegant Rudern sein kann. Erstmals war jetzt auch Stamm-Steuermann Martin Sauer mit an Bord, der studienhalber erst jetzt am Ulmer Wochenende mit dabei sein konnte.

Wer bei der Grundsteinlegung dabei war, hat sicher eindrucksvolle Bilder und Worte mit nach Hause genommen, und dort beim Blick auf seine Schuhe auch gleich gewusst, dass man gerade auf einer Baustelle war. Aber Ruderer sind ja das Putzen gewohnt, hauptsächlich der Boote, der Bootshallen und des Kraftraums. Mal sehen, ob das beim neuen größeren Kraftraum dann auch klappt.


Eine große Clubfahne wehte an der Kette des Baukrans, an der die Abdeckplatte für die Grundsteinbox angehoben und aufgesetzt wurde.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 03. Dezember 2009 um 08:46 Uhr
 
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