GESCHRIEBEN VON WERNER STRASSNER
An Fronleichnam waren Basti und mein Philipp im Kraftraum zugange. Während andere den Feiertag gemütlich verbrachten, wurden dort Gewichte bewegt, Muskeln gestählt und vermutlich der eine oder andere persönliche Rekord ins Visier genommen. Doch zwischen Kniebeugen und Hantelbank fiel den beiden plötzlich etwas Ungewöhnliches auf: Eine Schwanenfamilie schien orientierungslos auf der Suche nach dem Weg in die Donau zu sein.
Offenbar hatte sich die gefiederte Reisegruppe bei ihrer Navigation etwas verschätzt. Statt direkt ans Wasser führte ihre Route sie über die Schießhausallee, quer über unseren Parkplatz und schließlich bis auf den Bootsplatz. Die zahlreichen Hinterlassenschaften entlang der Strecke lassen jedenfalls keinen Zweifel daran, dass die Familie tatsächlich diesen Weg gewählt hatte – gewissermaßen ein biologisches Leitsystem in Weiß und Grün.
Basti und Philipp beobachteten das Geschehen eine Weile und kamen zu dem Schluss, dass die Schwäne zwar motiviert, aber beim letzten Abschnitt ihrer Expedition etwas ausgebremst waren. Also griffen sie zum Telefon und riefen mich an: Ob ich wohl mit dem Schlüssel kommen könnte, um das Tor aufzuschließen?
Gesagt, getan. Als ich ankam, hatte ich fast den Eindruck, die Schwanenfamilie würde bereits auf ihren persönlichen Türöffner warten. Kaum war das Tor geöffnet, setzte sich der Trupp in Bewegung – zielstrebig, diszipliniert und ohne jede Diskussion über die richtige Richtung. Fast so, als hätten die Schwäne den gesamten Rettungseinsatz bereits im Voraus geplant.