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Nachruf Hans-Günter Joos

Hans-Günter Joos
* 21.02.1941   † 07.02.2026

Liebe Mitglieder,

der URCD trauert um ein verdientes Mitglied. Mit großer Bestürzung haben wir vom Tod unseres Vereinsmitglieds Hans-Günter Joos erfahren. Wir nehmen Abschied von einem Menschen, der unserem Verein über Jahrzehnte verbunden war und einen festen Platz in unserer Gemeinschaft hatte. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und allen, die ihm nahestanden. 

Wir bedanken uns herzlich bei Hansjörg Käufer für den folgenden Nachruf:

Der URCD verliert seinen "Dicken"

Im URCD gibt es nicht mehr viele, die seinen langen Weg im Verein von Anfang an nachzeichnen können. 70 Jahre Mitgliedschaft wären es dieses Jahr gewesen, die Ehrung dazu durfte er nicht mehr erleben. 70 Jahre im URCD ist an sich schon ein beeindruckender Wert, hinzu kommt seine Zeit als "Finanzminister", wie ihn seine Altersgenossen betitelten, von 1972 bis 1983 war das, zudem fungierte er von 1969 bis 1971 als Regattaleiter, als man noch auf dem Abschnitt zwischen Thalfingen und Oberelchingen eine 2 km Regatta ausrichtete. Das alles brachte ihm den ehrenvollen Titel eines Ruderältesten ein.

Doch das war nur die eine Seite, die offizielle und stets korrekt ausgeführte, unseres "Dicken". Wer ihm und seinen Altersgenossen Bibi Heim †, Hanno† und Bago Steinle aufmerksam zuhörte, kam zum Schluss, dass bereits seine ersten Jahre, es war 1956 und er B-Junior, eine Machtergreifung der ganz besonderen Art darstellte. Er war der Kopf eines ganz frischen Windes, der in den URCD einzog. Weg von alten Zöpfen und Traditionen verkörperte er eine ihm sehr eigene pfiffige Schlitzohrigkeit, die ihm bis ins hohe Alter geblieben ist. Mit neutralem Blick und Bodenhaftung verfolgte er aufmerksam das Clubleben, und egal um was oder wen es sich handelte, der "Dicke" brachte stets eine wohltuende Analyse daher, eine ohne Mullbindenphrasen, eine die saß, die erheiterte, ohne zu verletzen. 

Anfang der 70iger-Jahre begleitete er maßgebend den Eintritt ins Ulmer AH-Rudern. Es begann mit dem "Keimzellen-Vierer" besetzt mit ihm, Bibi Heim†, Bago und Jörg-Heinrich Steinle. Das Quartett ruderte von Sieg zu Sieg. Nach und nach kamen weitere ehemals erfolgreiche Akteure hinzu (Gerhard Auer†, Helmut Barth†, Jost Fischer, Otte Wanner†, Klaus Karok, Hanno Steinle†, Hartmut Cohrs, Uli Genze), sodass ab 1978 in wechselnder Besetzung ein Ulmer AH-Achter die Szene beherrschte. Man war national ungeschlagen, um der Eintönigkeit Einhalt zu gebieten, folgte der Übertritt ins internationale Geschäft. Motor und Organisator der nun folgenden Reisen war der "Dicke". Egal ob Bus- oder Flugreise, egal ob viele Schlachtenbummler dabei waren, der "Dicke" hatte alles bestens im Griff. Wer einmal mit dabei war, wird’s unter Garantie nicht mehr vergessen. Legendär sind die Fahrten nach Budapest, Paris und Wien. Man ruderte in Bled, in Glasgow, in Lila Edit (Schweden), in St. Catherines, in London, in San Sebastian und auf vielen anderen Regatten. Der Dicke bescherte unvergessliche Erlebnisse und fast überall legten die Männer um den Keimzellen-Vierer am Siegersteg an.

In späteren Jahren lag der Fokus weniger auf den Regattabesuchen, sondern mehr auf gemeinsamen Unternehmungen der Truppe. Der Reiseleiter, wie "Bibe" den "Dicken" liebevoll nannte, lieferte in Form von Ruderreisen weiterhin den Kitt, der die Alten, und nicht nur die, zusammenhielt. Er suchte wunderschöne Gewässer für Trainingslager aus. Mehrfach war man am Alpsee, am Gnadensee, am Lac de Sainte-Croix oder in Beaucaire/Südfrankreich. Seine Organisation war perfekt, er stets souverän. Nur einmal, ein einziges Mal, wirkte der "Dicke" doch etwas nervös. Es war am Lac de Sainte-Croix. Selbstverständlich hatte er einen Bootslagerplatz auf dem örtlichen Campingplatz organisiert. Der Platzchef dort, Capitaine genannt, ein stolzer, älterer Franzose, kredenzte allmorgendlich nach der ersten Ausfahrt jedem der Männer aus Allemagne ein ziemlich gut gefülltes Glas Pastis, den typischen südfranzösischen Schnaps. Ein Pastis nach der morgendlichen Ausfahrt und meist auf nüchternen Magen wirkt und verlangt ein gewisses Standvermögen. Nach zwei Tagen wurden erste Stimmen laut, auf das morgendliche Getränk zu verzichten. Das ginge auf gar keinen Fall und könne man keineswegs bringen, bekniete uns der "Dicke", denn der Capitaine wäre in seinem Stolz unendlich und aufs Gröbste verletzt. So gab es jeden Morgen sofort nach dem Anlegen eine Ansprache, auch ja schön brav seinen Pastis zu kippen, wenn gleich der Capitaine mit den Gläsern dastand…..und natürlich, dem ein oder anderen fiel es schwer, aber schließlich wussten alle, was wir am "Dicken" hatten und handelten in seinem Sinne.

In seinen letzten Jahren konnte er die regelmäßigen Ausfahrten mit seinen Alten aufgrund von Lungenproblemen nicht mehr mitmachen. Wann immer es ging, war er jedoch beim "Bier danach" dabei. Im Frühjahr 2025 musste er den Verlust seiner Elke hinnehmen. Als sich sein gesundheitlicher Zustand zum Jahreswechsel verschlimmerte, wurde er Mitte Januar noch am Herzen operiert. Unser "Dicker" verstarb zwei Wochen vor seinem 85. Geburtstag. Seine lieben Töchter, Anja und Amelie mit der Enkelin Rosalie waren bei ihm.

In unseren Gedanken wird unser "Dicker" immer unter uns sein.

Im Namen des URCD
Der Vorstand